Posted in: Biologie 16. April 2009 13:06 Weiter lesen →

Ameisen sind zielstrebige Gärtner

Blüten und Früchte sind eine kostspielige Angelegenheit. Das scheint auch eine baumbewohnende Ameisenart in Südamerika zu „wissen“. Experimente einer amerikanischen Biologin belegen, dass die Ameisen zusätzlichen Wohnraum gewinnen, indem sie die Blüten ihrer Wirtspflanze zerstören.

Weniger Ressourcen für die Fortpflanzung bedeuten mehr Ressourcen für neue Zweige, erläutert Megan Frederickson von der Harvard University das Prinzip. Das Verhalten der Ameisen entspreche daher dem von Gärtnern, „die Rosen beschneiden, um das Wachstum der Rosensträucher zu fördern“.

Biologen kennen mehrere Hundert Pflanzenarten, die in erstaunlicher Weise an das Zusammenleben mit Ameisen angepasst sind. Solche „Ameisenpflanzen“ (Myrmecophyten) bilden etwa hohle Auswüchse, in denen sich die Insekten ansiedeln können, oder versorgen sie mit Nährstoffen. Im Gegenzug halten die Ameisen die Pflanzen frei von Schädlingen und jäten in Einzelfällen sogar Unkraut, indem sie andere Pflanzen in der Umgebung töten.

Vor einigen Jahren war entdeckt worden, dass das vermeintlich harmonische Zusammenleben auch dunkle Seiten hat. Die Ameise Allomerus octoarticulatus sterilisiert nämlich ihren Wirtsbaum Cordia nodosa, indem sie dessen Blütenknospen abbeißt. Frederickson konnte nun zeigen, dass dies zu einer Umleitung von Ressourcen führt, von der die Ameisen profitieren.

Die Forscherin schnitt höchstpersönlich die Blütentriebe von einzelnen Exemplaren von Cordia nodosa ab, die von nicht-sterilisierenden Ameisenarten bewohnt wurden. Wie sie im Fachblatt „American Naturalist“ berichtet, legten die Bäume daraufhin ein rascheres Wachstum an den Tag. Unter anderem bildeten sie mehr blasenartige Anschwellungen der Zweige, Domatien genannt, in denen die Ameisen Unterschlupf finden.

Frederickson würde Allomerus octoarticulatus dennoch nicht unbedingt als Parasiten einstufen. Gerade junge Exemplare von Cordia nodosa könnten durchaus von der rabiaten Behandlung profitieren, indem sie stärker wüchsen und sich daher besser gegen pflanzliche Konkurrenz unter dem Blätterdach durchsetzen könnten. Zudem könnten die Bäume mehr als 70 Jahre alt werden, während die Nester der sterilisierenden Ameisen höchstens 14 Jahre Bestand hätten. Grundsätzlich bleibe den Bäumen also reichlich Gelegenheit zur Fortpflanzung.

Forschung: Megan E. Frederickson, Society of Fellows und Museum of Comparative Zoology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 173(5), pp 675-81, DOI 10.1086/597608

WWW:
Museum of Comparative Zoology, Harvard University
Homepage Megan Frederickson
Cordia nodosa
Ameisenpflanzen (PDF)
Blumengärten der Ameisen am Amazonasstrome, 1905

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ameisen als „teuflische“ Gärtner
Wie Akazien Ameisen rekrutieren


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