Posted in: Paläontologie 8. April 2009 18:13 Weiter lesen →

Prähistorische Allesfresser

Foto zeigt Rekonstruktion eines Höhlenbärs, großes Tier mit relativ langem, schlankem Schädel, langer Schnauze, graubraunes Fell Der Speiseplan eiszeitlicher Bären war vielleicht abwechslungsreicher als häufig angenommen. Zu diesem Schluss kommen spanische Forscher nach dem Vergleich zweier ausgestorbener Bärenarten mit heutigen Verwandten. Gemessen am Bau des Schädels, könnten der große Höhlenbär und der nicht minder imposante Kurznasenbär ihr Auskommen als Allesfresser gefunden haben.

Höhlenbären waren vielleicht weniger vegetarisch veranlagt als vermutet. Foto: 120/V. Mourre via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution Share Alike 3.0)

Ersterer werde von vielen Forschern als Pflanzenfresser angesehen, letzterer dagegen als reiner Fleischfresser, erläutert Borja Figueirido von der Universität Málaga. Schädel, Unterkiefer und Gebiss der beiden Arten „waren dagegen eher für eine Lebensweise als Allesfresser geeignet als für die spezialisierte Kost, die ihnen zugeschrieben worden ist“, so der Forscher.

Der europäische Höhlenbär und der nordamerikanische Kurznasenbär (Ursus spelaeus und Arctodus simus) lebten während des Pleistozäns. Auf allen Vieren stehend, brachten es beide auf eine stattliche Schulterhöhe von bis zu 1,80 Meter und waren damit deutlich größer als beispielsweise der heutige Braunbär.

Figueirido und Kollegen führten eine gründliche Vermessung der Schädel von 157 Vertretern noch lebender Bärenarten durch. Die statistische Analyse der Daten ergab, dass bestimmte Merkmalskombinationen die Ernährungsweise der einzelnen Spezies stärker widerspiegeln als ihre Verwandtschaftsbeziehungen.

Verglichen mit fleischfressenden Vettern, weisen pflanzenfressende Bären beispielsweise relativ kurze Schädel mit gut entwickelten Jochbögen und langen Hebelarmen für die Kaumuskeln auf. Auch liegen ihre Augen eher seitlich am Schädel und die Eckzähne sind relativ klein. Allesfresser nehmen eine Mittelstellung ein, berichten die Forscher im „Journal of Zoology“. In diese Gruppe fallen auch die Schädel der ausgestorbenen Höhlen- und Kurznasenbären.

Während des Eiszeitalters könnte eine Allesfresser-Anatomie von großem Vorteil gewesen sein, glaubt Figueirido. „In dieser Periode gab es grundsätzlich eine große Vielfalt von Beutetieren und Pflanzen, es bestand allerdings auch eine Konkurrenz zwischen den damaligen Räubern.“ Die Überlebensstrategien im Pleistozän seien besonders interessant angesichts der Klimaumschwünge jener Zeit, die möglicherweise zu rasch für größere evolutionäre Anpassungen verlaufen seien.

Forschung: Borja Figueirido, Paul Palmqvist und Juan Antonio Pérez Claros, Departmento de Ecología y Geología, Facultad de Ciencias, Universidad de Málaga

Veröffentlichung Journal of Zoology, Vol. 277(1), pp 70-80, DOI 10.1111/j.1469-7998.2008.00511.x

WWW:
Departmento de Ecología y Geología, Universidad de Málaga
Bären
Pleistozän

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