Sehtraining hilft nach Schlaganfall
Dienstag, 31. März 2009, 23:00 • Rubrik Medizin.
Nach einem Schlaganfall kann ein rigoroses Training auch den Augen wieder auf die Beine helfen. Diesen Schluss legt eine kleine Studie amerikanischer Medizinerinnen nahe. Die Betroffenen gewannen dabei zumindest einen Teil ihres verlorenen Sehsinns zurück.
Foto: Richard Baker/University of Rochester
Anders als Bewegungs- und Sprechtraining, sei das Sehtraining noch kein regulärer Bestandteil der Rehabilitation, erläutert Krystel Huxlin von der University of Rochester. “Kliniker und Wissenschaftler haben lange Zeit angenommen, dass man sich von dieser Art Gehirnschädigung nicht erholen kann.” Die neuen Resultate sprächen jedoch für eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit der Sehrinde auch bei älteren Personen.
Huxlin und Kolleginnen arbeiteten mit sieben Patienten unterschiedlichen Alters, die bis zu 40 Monate vor Studienbeginn einen Schlaganfall erlitten hatten. Bei allen war die primäre Sehrinde des Großhirns geschädigt worden, sodass sie einen Teil ihres Gesichtsfeldes eingebüßt hatten. Über einen Zeitraum von bis zu anderthalb Jahren absolvierten die Teilnehmer täglich ein Sehtraining, bei dem sich bewegende Punkte in dem ausgefallenen Teil ihres Gesichtsfeldes dargestellt wurden. Die mühselige Prozedur war von Erfolg gekrönt, berichten die Forscherinnen im “Journal of Neuroscience”.
Pro Trainingssitzung mussten die Teilnehmer rund 300 Mal entscheiden, ob sich die Punkte, die sie eigentlich nicht sehen konnten, nach links oder nach rechts bewegten. Ein Ton signalisierte, ob sie die Richtung korrekt angegeben hatten. Im Laufe der Monate sei die Trefferquote von 50 Prozent allmählich auf 80 bis 90 Prozent gestiegen, erläutert Huxlin. Offenbar habe das Gehirn erneut gelernt, die von den Augen kommenden Signale zu verarbeiten, sodass die Teilnehmer die Punkte schließlich auch bewusst wahrgenommen hätten.
“Im Grunde geht es darum, den für das Sehen zuständigen Teil des Gehirns jeden Tag aufs Neue zu fordern”, so die Forscherin weiter. “Das ist sehr harte, sehr anstrengende Arbeit.” Indem man die Patienten jedoch immer wieder zwinge, eine Wahl zu treffen, sporne man ihr Gehirn an, sich umzustellen. Diese Veränderung habe sich merklich auf den Alltag der Studienteilnehmer ausgewirkt: Einige trauten sich nun wieder, alleine einkaufen zu gehen, Sport zu treiben oder sogar Auto zu fahren.
Forschung: Krystel R. Huxlin und Tim Martin, Department of Ophthalmology, University of Rochester, Rochester, New York; Mary Hayhoe, Center for Perceptual Systems, University of Texas, Austin; und andere
Veröffentlichung Journal of Neuroscience, 1. April 2009
WWW:
Huxlin Lab, University of Rochester
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