“Fernwärme” für afrikanische Vulkane
Donnerstag, 26. März 2009, 1:00 • Rubrik Geologie.
Eine Art geologischer Korridor verbindet die Kanarischen Inseln und das Atlasgebirge im Norden Afrikas. Zu diesem Schluss kommen Kieler Geowissenschaftler nach der Untersuchung von Lavagestein. Die Vulkane in beiden Regionen scheinen demnach aus der gleichen Quelle gespeist zu werden.
Grafik: S. Duggen/IFM-GEOMAR
Das Material steigt ursprünglich im Gebiet der Kanarischen Inseln im Erdmantel auf und bildet dort einen Hotspot, vermuten Svend Duggen vom Leibniz-Institut für Geowissenschaften an der Universität Kiel und seine Kollegen. Ein Teil davon scheint zudem an der Unterseite der nordwestafrikanischen Kontinentalplatte bis unter das Atlasgebirge geströmt zu sein.
Duggen und Kollegen stützen ihre Vermutung unter anderem auf die Untersuchung von Lavagestein aus dem Atlasgebirge. In ihrem chemischen Fingerabdruck weisen diese Proben verblüffende Ähnlichkeit mit solchen von den Kanarischen Inseln auf, berichten die Forscher im Fachblatt “Geology”.
Eine Erklärung für dieses Phänomen wäre eine Verlagerung des kanarischen Hotspots. Tatsächlich hat der Hotspot in den letzten 70 Millionen Jahren eine rund 700 Kilometer lange Spur von Vulkanen im Atlantik gezogen. An Afrika sei er allerdings “vorbeigefahren”, erklärt Duggen.
Einen weiteren Ansatzpunkt zur Klärung des Rätsels liefern geophysikalische Studien, denen zufolge die Kontinentalplatte unter dem Atlasgebirge anomal dünn ist. “Die Untergrenze liegt dort in nur rund 75 Kilometern Tiefe statt der sonst durchschnittlichen 150 Kilometer”, so Duggen. Füge man die vorhandene Information zusammen, ergebe sich das Bild eines rund 1.000 Kilometer langen und 250 Kilometer breiten Korridors an der Unterseite der nordwestafrikanischen Platte.
Durch diesen Korridor strömte über Jahrmillionen hinweg Magma aus dem Gebiet der Kanarischen Inseln bis nach Afrika und konnte dort Vulkane in Gang halten, folgern die Forscher. Die Studie liefere wichtige neue Erkenntnisse zu Fließbewegungen im oberen Erdmantel. Insbesondere helfe sie zu verstehen, wie es weitab von Hotspots und aktiven Plattenrändern zu Vulkanismus kommen könne.
Forschung: Svend Duggen, Kaj A. Hoernle und Matthew F. Thirlwall, Forschungsbereich Dynamik des Ozeanbodens, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel, und Department of Earth Sciences, Royal Holloway university of London, Surrey; und andere
Veröffentlichung Geology, Vol. 37(3), pp 283-6, DOI 10.1130/G25426A.1
WWW:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
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