Persönliches Lauf-Optimum

20. März 2009 15:39 Drucken

Marathonläufer Jeder Läufer hat sein Lieblingstempo. Eine mögliche Erklärung dafür liefert ein Experiment zweier amerikanischer Forscherinnen. Die Energiemenge, die für das Zurücklegen einer Strecke aufgewandt werden muss, variiert demnach durchaus mit dem Lauftempo.

Foto: Nick Free /iStockphoto

“Das bedeutet, dass es eine optimale Geschwindigkeit gibt, mit der man am günstigsten ans Ziel kommt”, erklärt Karen Steudel von der University of Wisconsin, Madison. Bislang sei die vorherrschende Meinung gewesen, die Energieeffizienz laufender Zweibeiner sei unabhängig vom Tempo – anders als bei Vierbeinern. Die neuen Resultate seien daher auch interessant für die Klärung der Frage, wie die Ahnen des Menschen an Fleisch gekommen seien.

Steudel und ihre Kollegin Cara Wall-Scheffler führten ihre Versuche mit neun gesunden Männern und Frauen durch. Alle mussten mehrmals in sechs verschiedenen Geschwindigkeiten auf einem Laufband aushalten, während ihr Sauerstoffverbrauch und damit ihr Energieumsatz gemessen wurde. Wie die Forscherinnen im “Journal of Human Evolution” berichten, war der Umsatz je zurückgelegter Strecke bei niedrigen und hohen Laufgeschwindigkeiten höher als bei mittleren.

Die männlichen Probanden erreichten ihr Optimum bei durchschnittlich 13,4, die Frauen bei 10,5 Kilometern pro Stunde. Allerdings wies jeder Teilnehmer seine persönliche optimale Geschwindigkeit auf, fanden die Forscherinnen. Eine Tendenz zu höheren optimalen Geschwindigkeiten bei größeren Personen lässt vermuten, dass sich hier unter anderem Variationen im Körperbau auswirken, etwa die Beinlänge und das Verhältnis von Bein- zu Rumpflänge.

Die neuen Resultate sprächen für die Vermutung, die vergleichsweise schlanke Körperform des Menschen sei auch eine Anpassung an die Jagd, erklärt Steudel. Moderne Menschen können selbst Antilopen zur Strecke bringen, indem sie diese im Laufschritt bis zur Erschöpfung verfolgen. Frühen Ahnen des Menschen mit ihrem gedrungenen Körperbau sei dies wohl schwerlich möglich gewesen, so die Zoologin.

Forschung: Karen L. Streudel-Numbers, Department of Zoology, University of Wisconsin, Madison, und Cara M. Wall-Scheffler, Department of Biology, Seattle Pacific University, Seattle

Veröffentlichung Journal of Human Evolution, DOI 10.1016/j.jhevol.2008.11.002

WWW:
Hominin Locomotion Lab, Karen Steudel
Persistence Hunting
- Video
Modelling, Step by Step

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