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Mehr Appetit durch Antikörper

Mittwoch, 25. Februar 2009, 16:51 • Rubrik Ernährung, Genetik, Medizin.

Grafik zeigt Silhouetten dreier unterschiedlich fülliger Männer mit angedeutetem HüftumfangÜbergewicht könnte bei einigen Menschen auch durch das Immunsystem vermittelt werden. Basler und Straßburger Forscher haben entdeckt, dass knapp vier Prozent der Betroffenen Antikörper gegen ein Protein aufweisen, das im Gehirn an der Drosselung des Appetits beteiligt ist.

Grafik: FDA

Übergewicht und Fettleibigkeit stellen ein verbreitetes Problem dar, das in der Regel auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückgeführt werden kann. Bei einzelnen Betroffenen liegt die Ursache allerdings in Genmutationen, die die Regulation der Nahrungsaufnahme stören. Die Forscher um Jean-Christophe Peter und Karl Hofbauer von der Universität Basel fanden, dass eine solche Störung auch durch einen fehlgeleiteten Angriff des Immunsystems hervorgerufen werden kann.

Bereits vor zwei Jahren hatten Peter und Hofbauer diesen Effekt am Beispiel des Melanocortin-4-Rezeptors demonstrieren können. Das Protein findet sich unter anderem im Hypothalamus und damit in einer Gehirnregion, die an der Koordinierung des Energiehaushalts beteiligt ist. Mutationen in dem zugehörigen Gen sind eine bekannte Ursache für erbliche Adipositas. Brachten die Forscher Nager dazu, Antikörper gegen das Protein zu bilden, legten die Tiere an Gewicht zu und entwickelten Stoffwechselstörungen, wie sie bei fettleibigen Patienten beobachtet werden.

Nun gingen die Basler Forscher und ihre Kollegen der Frage nach, ob ein solcher Autoimmun-Effekt auch beim Menschen bedeutsam sein könnte. Dazu untersuchten sie Blutproben von 216 Personen unterschiedlicher Leibesfülle auf Antikörper gegen den Rezeptor. Tatsächlich wurden sie bei 3,6 Prozent der Studienteilnehmer mit einem Body-Mass-Index von mindestens 25 Kilogramm pro Quadratmeter fündig. Bei normalgewichtigen Teilnehmern waren dagegen alle Tests negativ, berichten die Forscher im “Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism”.

Weitere Analysen ergaben, dass die gefundenen Autoantikörper nicht nur an den Rezeptor binden, sondern auch dessen Funktion blockieren. Wurden sie Ratten injiziert, legten die Tiere daraufhin einen gesteigerten Appetit an den Tag. Hofbauer und seine Gruppe untersuchen derzeit, wie fettleibige Patienten mit Antikörpern gegen den Rezeptor auf eine Diät oder chirurgische Intervention ansprechen. Aus den Resultaten erhoffen sie sich Aufschluss über die klinische Bedeutung der Antikörper.

Forschung: Jean-Christophe Peter, Géraldine Zipfel und Karl G. Hofbauer, Angewandte Pharmakologie, Biozentrum der Universität Basel; Sylviane Muller, CNRS UPR 9021, Immunologie et Chimie Thérapeutiques, Institut de Biologie Moléculaire et Cellulaire, Université Louis Pasteur I, Strasbourg; und andere

Veröffentlichung Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, DOI 10.1210/jc.2008-1749

WWW:
Biozentrum der Universität Basel
Übergewicht/Adipositas
BMI-Rechner
MC4R Signalling Within the Hypothalaomic Network of Weight Regulation

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Anfälligkeit für Übergewicht wird vererbt



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3 Kommentare for “Mehr Appetit durch Antikörper”

  1. [...] [1] Artikel im Scienceticker.info [2] MC4R Signalling Within the Hypothalaomic Network of Weight Regulation Kommentare [...]

  2. [...] [1] article Scienceticker.info [2] Within the MC4R Signaling Hypothalaomic Network of Weight Regulation Kommentare [...]

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