Posted in: Psychologie, Wirtschaft 24. Februar 2009 15:44 Weiter lesen →

Warum eingängig gut ist

Emoticon-Smiley: Doppelpunkt, Minuszeichen, schließende KlammerEine chemische Verbindung wird als umso gefährlicher wahrgenommen, je komplizierter ihr Name ist. Das hat ein amerikanisches Psychologenduo im Rahmen einer kleinen Studie ermittelt. Ein Grund dafür scheint zu sein, dass Menschen eingängige Namen als vertraut und damit automatisch als „sicher“ einstufen.

Schon vor Jahrzehnten sei die Hypothese aufgestellt worden, dass ein solcher Vertrauensbonus die menschliche Vorliebe für leicht erfassbare Reize erklären könne, erläutern Hyunjin Song und Norbert Schwarzer von der University of Michigan. Die neuen Resultate lieferten erstmals handfeste Belege für eine solche Verbindung und könnten damit für Verkaufsspezialisten und Marketingabteilungen besonders interessant sein.

Song und Schwarzer legten insgesamt 35 Studierenden eine Liste mit den Bezeichnungen von zehn vermeintlichen Lebensmittelzusatzstoffen vor. Alle Namen bestanden aus 12 Buchstaben, waren jedoch von „Magnalroxate“ bis „Hnegripitrom“ unterschiedlich leicht zu lesen und auszusprechen. Die Verbindungen mit den schwierigen Namen wurden als deutlich riskanter und als neuartiger eingeschätzt, berichten die Forscher im Fachblatt „Psychological Science“.

Eingängige Reize versetzen Menschen in eine tendenziell positive Stimmung – messbar unter anderem an einer größeren Reaktionsfreudigkeit des Großen Jochbeinmuskels, eines der Lachmuskeln. Auf Einschätzung eines Risikos als gut oder schlecht scheint sich der Stimmungseffekt jedoch nicht auszuwirken, ergab ein weiterer Versuch, bei dem die Teilnehmer Attraktionen auf Rummelplätzen einschätzen sollten. Fahrgeschäfte mit schwierigen Namen stuften sie zwar als aufregender und abenteuerlicher ein, allerdings auch als stärker Übelkeit erregend.

Forschung: Hyunjin Song und Norbert Schwarz, Department of Psychology, University of Michigan, Ann Arbor

Veröffentlichung Psychological Science, Vol. 20(2), pp 135-8, DOI 10.1111/j.1467-9280.2009.02267.x

WWW:
Norbert Schwarz, University of Michigan
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3 Kommentare zu "Warum eingängig gut ist"

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  1. 3vor10 | 27. Februar 2009 10:00
  1. Marc sagt:

    Dihydrogenmonoid. ;-) Allerdings haben bei mir unaussprechliche Bezeichnungen einen anderen Effekt: Ich kann sie mir nicht merken und finde sie uninteressant (Rfid-Chips, was ist das?) Und das könnte manchem auch ganz recht sein.

  2. Marc sagt:

    Dihydrogenmonoxid natürlich.