Posted in: Biologie 12. Februar 2009 20:00 Weiter lesen →

Singvögel auf Achse

Purpurschwalbe - Science Auch kleine Singvögel sind zu großen Flugleistungen fähig. Das haben kanadische Biologen mit Hilfe winziger „Fahrtenschreiber“ ermittelt. Zwei nordamerikanische Schwalben- und Drosselarten legen auf ihren alljährlichen Wanderungen demnach mehr als 500 Kilometer pro Tag zurück.

Purpurschwalbe. Foto: Tim Morton / Science

Bislang habe man lediglich ungefähr sagen können, in welchem Zeitrahmen die Vögel zu ihrem Herbst- und Frühjahrszug aufbrechen und in dem jeweiligen Zielgebiet ankommen, erläutert Bridget Stutchbury von der York University in Toronto. „Niemals zuvor ist es gelungen, die komplette Wanderung einzelner Singvögel zu verfolgen.“

Stutchbury und Kollegen versahen 14 Walddrosseln (Hylocichla mustelina) und 20 Purpurschwalben (Progne subis) mit kleinen Rucksäcken, die fortwährend Daten über die Umgebungshelligkeit aufzeichnen. Kurz darauf begannen die Vögel ihren Zug aus dem Gebiet der Großen Seen in ihre Winterquartiere. Im nächsten Sommer gingen sieben von ihnen den Forschern erneut ins Netz. Wo sich die Tiere zwischenzeitlich aufgehalten hatten, konnte anhand der Zeitpunkte von Sonnenaufgängen und -untergängen ermittelt werden.

Der Herbstzug führte die Tiere demnach zunächst in den Südosten der Vereinigten Staaten bzw. auf die mexikanische Halbinsel Yucatán. Nach einer Rast von wenigen Wochen ging es für die Purpurschwalben weiter ins Amazonasbecken, während die Walddrosseln einen erstaunlich schmalen Streifen in Honduras bzw. Nicaragua ansteuerten.

Schon auf der Reise gen Süden flogen die Vögel bis zu 500 Kilometer am Tag. Bei der Rückkehr schienen sie es sogar noch eiliger zu haben: So schaffte eine weibliche Purpurschwalbe, obgleich sie nur wenige kurze Zwischenstopps einlegte, bis zu 577 Kilometer pro Tag. Die Resultate hätten ihr die Sprache verschlagen, so Stutchbury. „Dass ein Vogel am 12. April in Brasilien losfliegt und zum Monatsende hier ankommt, das ist schon verblüffend. Und wir hatten immer angenommen, sie würden sich irgendwann im März auf den Weg machen.“

Forschung: Bridget J. M. Stutchbury, Department of Biology, York University, Toronto, Ontario; John Tautin, Purple Martin Conservation Association, Erie, Pennsylvania; Vsevolod Afanasyev, British Antarctic Survey, Cambridge; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 323, 13. Februar 2009, p 896, DOI 10.1126/science.1166664

WWW:
Stutchbury Lab, York University
Purple Martin, Wood Thrush
Vogelzug

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