Seltene Namen, seltene Gene
Mittwoch, 11. Februar 2009, 14:40 • Rubrik Anthropologie, Genetik, Kultur.
Namen sagen einiges über ihre Träger aus, bestätigt eine neue Untersuchung englischer Forscher. Beim genetischen Vergleich von 1.678 Männern fanden sie, das jene mit dem gleichen Familiennamen tendenziell auch ähnliche Geschlechtschromosomen besitzen. Das gilt insbesondere im Falle seltener Nachnamen.
Grafik: NHGRI
Zudem dürfte es weniger “Kuckuckskinder” geben als mitunter angenommen, zeigen die Daten von Turi King und Mark Jobling von der Universität Leicester. Während häufig eine Zahl von zehn Prozent genannt wird, schätzen die Forscher, das mit weniger als vier Prozent aller Kinder ein neues Y-Chromosom in die Verwandtschaft kommt.
Selbst diese Zahl sei als Indikator für Seitensprünge wahrscheinlich noch etwas zu hoch gegriffen, erläutern Kind und Jobling im Fachblatt “Molecular Biology and Evolution”. Darin enthalten seien nämlich auch Adoptionen und Fälle, in denen der Mann den Familiennamen seiner Frau angenommen habe.
Wie das männliche Geschlechtschromosom allein über die Söhne vererbt wird, so wird auch der Familienname in westlichen Gesellschaften traditionell durch einen “Stammhalter” fortgeführt. Schon seit einigen Jahren erforschen King und Jobling den Zusammenhang zwischen den beiden genetischen und kulturellen Markern. Im Rahmen ihrer jüngsten Studie fahndeten sie nach Sequenzvariationen auf den Y-Chromosomen von britischen Männern, die einen von 40, seltenen bis verbreiteten Nachnamen trugen.
Es zeigte sich, dass Männer mit häufigen Nachnamen wie Smith und King insgesamt eine Vielzahl von Variationen aufwiesen und kaum von einer zufälligen Stichprobe britischer Männer zu unterscheiden waren. Ganz anders bei seltenen Nachnamen wie Grewcock oder Swindlehurst. Hier trugen die meisten Männer Chromosomen mit identischen Variationen, häufig ließ sich sogar die Abstammung von einem einzigen Urahn rekonstruieren. Anhand solcher klar umrissener Verwandtschaftsgruppen schätzten die beiden Forscher den Eintrag neuer Chromosomen.
Nach Ansicht Kings und Joblings können ihre Resultate genutzt werden, um Lücken in Familienstammbäumen zu schließen und um anhand von DNA-Spuren am Ort eines Verbrechens den Kreis potenzieller Täter einzugrenzen. Dies gelte jedoch nicht in allen Ländern, betonen die Forscher. So habe eine ähnliche Studie in Irland eine nur vage Verbindung zwischen Familiennamen und Y-Chromosom nachweisen können. Mögliche Erklärungen seien stark ausgeprägte Vielweiberei im Mittelalter und die große Hungersnot im 19. Jahrhundert.
Forschung: Turi E. King und Mark A. Jobling, Department of Genetics, University of Leicester, Leicester
Veröffentlichung Molecular Biology and Evolution, DOI 10.1093/molbev/msp022
WWW:
Der Artikel online (Open Access)
Mark Jobling, University of Leicester
Nachname
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