Posted in: Chemie, Medizin 6. Februar 2009 14:17 Weiter lesen →

Harz gegen Blutsauger

Nahaufnahme zeigt Kopf und Mundwerkzeuge einer Zecke mit schwarzem Rückenschild und rotem Hinterleib Ein Baum aus dem südamerikanischen Urwald enthält das Rezept für ein neues Mittel gegen Mücken und andere Blutsauger. Amerikanische und chinesische Forscher haben entdeckt, dass eine von dem Baum produzierte Harzsubstanz Moskitos und Zecken mindestens ebenso gut abschreckt wie herkömmliche Abwehrmittel.

Hirschzecken, nahe Verwandte des Gemeinen Holzbocks, sind in Nordamerika wichtige Überträger der Borreliose. Foto: Scott Bauer/ARS

Seit Jahren für die Herstellung von Duftstoffen genutzt, könnte die Baumsubstanz besser verträglich sein als der häufig eingesetzte Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET), hoffen Aijun Zhang vom Forschungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums und seine Kollegen.

Jahr für Jahr gibt es weltweit mehrere Hundert Millionen Fälle von Infektionskrankheiten, die durch blutsaugende Gliederfüßer übertragen werden. Allein die Malaria fordert jährlich schätzungsweise mehr als eine Million Todesopfer. „Es gibt also allen Grund, weiter nach wirksamen chemischen Mitteln zur Linderung dieses Leids zu suchen“, schreiben die Forscher im „Journal of Medical Entomology“.

Auf der Suche nach neuen Repellentien stieß die Gruppe auf Humiria balsamifera. In seiner südamerikanischen Heimat als Tauroniro oder Umiri bekannt, produziert der Baum ein Sesquiterpen, dessen chemische Abkömmlinge nach Holz duften und daher in Parfums, Deos und anderen Produkten verwendet werden. Obwohl dieses Isolongifolenon für Menschen geruchlos ist, verdirbt es fliegenden und krabbelnden Blutsaugern den Appetit, fanden die Forscher.

Bei ihren Tests schreckten bis zu 90 Prozent der Gelbfiebermücken (Aedes aegyptii), Hirschzecken (Ixodes scapularis) und anderer Gliederfüßer vor einer Blutmahlzeit zurück, wenn diese mit einer künstlichen, mit der Harzsubstanz behandelten Haut bedeckt war. War die Kunsthaut mit DEET behandelt, lag der Anteil bei 80 Prozent, bei unbehandelter Haut waren es nur etwa 30 Prozent.

Zhang und Kollegen haben zudem eine Methode entwickelt, um Isolongifolenon in großen Mengen aus Terpentin, dem frischen Harz von Nadelbäumen, zu gewinnen. Im Gegensatz zu anderen natürlichen Repellentien, deren Gewinnung kostspielig sei, stehe das Isolongifolenon daher für die Verwendung im industriellen Maßstab zur Verfügung, so die Forscher. Ihre Synthesemethode wie auch den Einsatz der Verbindung als Schreckstoff haben sie bereits zum Patent angemeldet.

Forschung: Aijun Zhang und Jerome A. Klun, Invasive Insect Biocontrol and Behavior Laboratory, USDA Agricultural Research Service, Beltsville, Maryland; Shifa Wang, College of Chemical Engineering, Nanjing Forestry University, und andere

Veröffentlichung Journal of Medical Entomology, Vol. 46(1), pp 100-6; USPTO Patent #7,378,557

WWW:
Invasive Insect Biocontrol and Behavior Laboratory, ARS
Nanjing Forestry University
Humiria
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