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Genvariante begünstigt HIV

Montag, 2. Februar 2009, 12:30 • Rubrik Genetik, Medizin.

Eingefärbte Raster-EM-Aufnahme zeigt HIV-Partikel als kleine grüne Knospen auf einer vergleichsweise riesigen, unregelmäßig geformten ZelleWie gut sich ein Mensch gegen das Immunschwächevirus HIV wehren kann, hängt auch von seinem Erbgut ab. Berliner Forscher haben entdeckt, dass eine kleine Variation in einem einzigen Gen mit einer schwächeren antiviralen Immunreaktion einhergeht. Bei den Trägern der Genvariante entwickelt sich das Krankheitsbild AIDS daher deutlich schneller.

Bild: CDC

Vielleicht weisen Träger der Genvariante von vornherein eine höhere Anfälligkeit für das Virus auf, vermuten die Forscher um Ralf Schumann von der Berliner Charité. “Mit diesen Erkenntnissen könnten Risikopatienten rechtzeitig erkannt und eventuell effektiver behandelt werden”, so der Mediziner.

Schumann und Kollegen untersuchten, ob und wie sich Variationen in einem Protein des angeborenen Immunsystems auswirken. Dieser Toll-like-Rezeptor 7 (TLR7) bindet RNA von HIV und anderen Viren und löst daraufhin eine Signalkaskade aus, die zur Ausschüttung der “Alarmsubstanz” Alpha-Interferon führt. Diese Reaktion fällt schwächer aus, wenn das zugehörige Gen so verändert ist, dass in dem TLR7-Protein eine einzige Aminosäure gegen eine andere ausgetauscht ist, ergab die Untersuchung von 1.279 Personen.

Der Effekt zeigte sich nicht nur bei Labortests an den Abwehrzellen, berichten die Forscher im Fachblatt “AIDS”. Etwa die Hälfte der Studienteilnehmer war HIV-positiv. Unter ihnen wiesen die Träger der Genvariante einen schnelleren Krankheitsverlauf und zudem eine größere Viruskonzentration im Blut auf.

Zudem trugen 44 Prozent der HIV-positiven Frauen die Genvariante, verglichen mit knapp 18 Prozent der HIV-negativen Frauen. Laut Schumann und Kollegen lässt dieser Unterschied vermuten, dass die Trägerinnen der Variante grundsätzlich empfänglicher für die Infektion sind. Umgekehrt könne TLR7 vielleicht als Ansatzpunkt für Impfungen gegen HIV genutzt werden.

Forschung: Djin-Ye Oh und Ralf R. Schumann, Institut für Mikrobiologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin; Osamah Hamouda, Robert-Koch-Institut, Berlin; und andere

Veröffentlichung AIDS, Vol. 23(3), pp 297-307, DOI 10.1097/QAD.0b013e32831fb540

WWW:
Institut für Mikrobiologie und Hygiene, Charité
Robert-Koch-Institut
- HIV/AIDS
Toll-like Receptors

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
HIV mit alten Wurzeln
Wie sich HIV abhängig macht



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