Posted in: Geologie, Kultur 26. Januar 2009 14:23 Weiter lesen →

Gemäßigte „Sintflut“

bosporusDas Überlaufen des Mittelmeeres in das Schwarze Meer war wohl nicht das dramatische Ereignis, als das es mitunter dargestellt wird. Zu diesem Schluss kommt eine amerikanisch-rumänische Forschergruppe nach Untersuchungen im Delta der Donau. Als das Salzwasser die Bosporusschwelle überwand, war der Höhenunterschied zwischen beiden Meeren demnach relativ gering.

Blick auf den Bosporus. Stich: William Henry Bartlett, 1838

Der Wasserspiegel im Schwarzen Meer lag zu jener Zeit kaum 30 Meter tiefer als heute, schätzen Liviu Giosan von der Woods Hole Oceanographic Institution und seine Kollegen. Die Höhendifferenz zum Marmarameer auf der anderen Seite des Bosporus dürfte daher bestenfalls einige Meter betragen haben. „Im Gegensatz zu einigen Kollegen können wir daher keine Belege für eine katastrophale Überschwemmung erkennen“, so Giosan.

Mit einer Fläche von rund 420.000 Quadratkilometern ist das Schwarze Meer größer als so mancher seiner Anrainerstaaten. Seine einzige Verbindung zum Marmarameer und damit zum Mittelmeer stellt der schmale und heute etwa 35 Meter tiefe Bosporus dar. Diese Schwelle wurde zuletzt vor etwa 9.500 Jahren überflutet, als mit dem Ende der letzten Vereisung die Meeresspiegel stiegen.

Giosan und zwei Kollegen von der Universität Bukarest untersuchten einen 42 Meter langen Bohrkern, der im Jahr 2007 aus dem Donaudelta gezogen worden war. Zur Datierung der darin erkennbaren Sedimentschichten nutzten sie Muschelschalen, deren zwei Klappen noch über ein feines Bindegewebsband miteinander verbunden waren. Kurz vor dem Wechsel von alten Süßwasser- zu jüngeren Salzwasserablagerungen gab es an der Stelle demnach ein ausgedehntes Delta, dessen Oberfläche etwa 25 bis 35 Meter unter dem heutigen Wasserspiegel lag.

Vor einigen Jahren hatten zwei amerikanische Geowissenschaftler den Unterschied dagegen auf bis zu 80 Meter geschätzt und das Szenario eines abrupten Dammbruchs und einer raschen Überflutung steinzeitlicher Siedlungen entwickelt. Giosan beziffert die Höhendifferenz dagegen auf maximal 10 Meter. Im fruchtbaren Schwemmland der Donaumündung könnte allerdings auch ein solch moderat wirkender Anstieg des Wasserspiegels beträchtliche Konsequenzen gehabt haben, betont der Forscher.

Forschung: Liviu Giosan, Department of Geology and Geophysics, Woods Hole Oceanographic Institution, Woods Hole, Massachusetts; Florin Filip und Stefan Constatinescu, Facultatea de Geografie, Universitatea din Bucuresti

Veröffentlichung Quaternary Science Reviews, Vol. 28(1-2), pp 1-6, DOI 10.1016/j.quascirev.2008.10.012

WWW:
Coastal Systems Group, Woods Hole Oceanographic Institution
Facultatea de Geografie, Universitatea din Bucuresti
Europäisches Mittelmeer und Schwarzes Meer
Bosporus
The Truth Behind Noah’s Flood


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