Posted in: Anthropologie 21. Januar 2009 13:20 Weiter lesen →

Neue Befunde stützen kleine Menschenart

Foto zeigt junge Frau, die mit einem mechanischen Arm einen Schädel abtastet, neben ihr ein Laptop, im Hintergrund Karteikästen Im Jahr 2003 waren auf der indonesischen Insel Flores die Überreste kleiner Menschen entdeckt worden. Neue Untersuchungsergebnisse eines amerikanischen Forscherduos stützen die Ansicht, dass es sich bei diesen „Hobbits“ um Angehörige einer eigenständigen Spezies handelte – und nicht etwa um moderne Menschen mit krankhaftem Kleinwuchs.

Karen Baab, hier bei der Vermessung eines modernen Schädels, vermutet in den „Floresmenschen“ einen Seitenast der Entwicklungslinie zum modernen Menschen. Foto: Stony Brooks University Medical Center

Karen Baab von der Stony Brooks University und ihr Kollege Kieran McNulty von der University of Minnesota stützen ihre Schlussfolgerungen auf eine 3D-Vermessung des einzigen bislang gefundenen Schädels von „Homo floresiensis“. Zum Vergleich zogen sie Schädel von modernen und ausgestorbenen Menschen sowie Affen heran. Ihre Resultate präsentieren sie im „Journal of Human Evolution“.

Einige Forscher vermuten, dass der Schädel von einem modernen Menschen mit Mikrozephalie stammt. Diese Entwicklungsstörung geht mit einem geringen Wachstum von Gehirn und Skelett einher. Die neuen Daten sprächen jedoch gegen diese Hypothese, so Baab. Insgesamt weise der Schädel „größere Ähnlichkeit mit Fossilien aus Afrika und Eurasien auf, die mehr als 1,5 Millionen alt sind, als mit modernen Schädeln“. Die bisherigen Funde von Homo floresiensis würden dagegen auf ein Alter von 17.000 bis 95.000 Jahren geschätzt.

Frontalansicht eines kleinen Schädels, darübergelegt ein Gitter gelber MesspunkteBild: Stony Brooks University Medical Center (Foto Courtesy Peter Brown)

Auch die Asymmetrie des Schädels kann nach Ansicht Baabs und McNultys nicht als Indiz für eine krankheitsbedingte Deformation gelten. Tatsächlich sei das Ausmaß der Asymmetrie nicht größer als bei einigen Ahnen des Menschen und bei modernen Affen. Das gelte besonders, wenn man die Bedingungen in der Höhle auf Flores berücksichtige, in der die Überreste gefunden worden seien, so die Forscher. Sie stufen „Homo floresiensis“ daher als ausdauernden Seitenast der Entwicklungslinie zum Homo sapiens ein.

Schützenhilfe erhalten sie von Kollegen aus den USA, Australien und Indonesien. Diese hatten die übrigen Knochenfunde von Flores untersucht. Wie sie in der gleichen Fachzeitschrift berichten, fanden sie ein Mosaik abgeleiteter und ursprünglicher Merkmale, „wie es niemals zuvor bei modernen Menschen, ob gesund oder krank, beobachtet worden ist“.

Forschung: Karen L. Baab, Susan G. Larson und William L. Jungers, Department of Anatomical Sciences, Stony Brook University Medical Center, Stony Brook, New York; Kieran P. McNulty, Department of Anthropology, University of Minnesota, Minneapolis; und andere

Veröffentlichung Journal of Human Evolution (im Druck), DOI 10.1016/j.jhevol.2008.08.011, 10.1016/j.jhevol.2008.06.007 und 10.1016/j.jhevol.2008.08.014

WWW:
Homepage Karen Baab
Kieran McNulty, University of Minnesota
Homo floresiensis
Human Family Tree

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neue Belege für kleine Menschenart
Neue Menschenart entdeckt


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