Posted in: Mathematik 14. Januar 2009 01:01 Weiter lesen →

Kalorien, Kinder und Statistik

Foto zeigt schlafenden weiblichen Säugling in rosafarbener KleidungAuch nach kritischem Gegenlesen durch Fachleute sind wissenschaftliche Veröffentlichungen nicht unbedingt frei von Fehlern. Das belegt der Fall einer Studie, die nach Ansicht englischer Forscher einen Zusammenhang zwischen der Ernährung einer Frau und dem Geschlecht ihrer Kinder nahelegte. Aufgrund statistischer Nachlässigkeit war ein solches Resultat jedoch geradezu unvermeidlich, bemängeln amerikanische Kollegen.

Foto: Michiel1972 (Creative Commons SA3.0)

„Es fällt schwer zu glauben, dass Frauen die Wahrscheinlichkeit für männlichen Nachwuchs erhöhen können, indem sie mehr Bananen, Frühstücksflocken oder Salz verzehren“, schreiben Stanley Young vom National Institute of Statistical Sciences und seine Kollegen. Gerade bei solchen verblüffenden Resultaten, wie sie von den Medien bereitwillig aufgegriffen würden, sei besondere Sorgfalt angebracht.

Young und Kollegen beziehen sich auf eine Arbeit, die Fiona Mathews von der Universität Exeter und zwei Kollegen im April letzten Jahres veröffentlicht hatten. Auf Basis der Daten von 740 Müttern hatte das Trio gefolgert, dass die Frauen umso eher Söhne bekommen hatten, je höher ihre Kalorienzufuhr vor der Empfängnis gewesen war. Vor allem reichlich Frühstücksflocken sollten die Chancen auf einen Jungen erhöhen, ergab die separate Betrachtung von 132 Lebensmitteln.

Genau hier liege das Problem, geben Young und Kollegen zu bedenken. Bei Hunderten von Vergleichen müsse man mit Zufallstreffern rechnen und daher umso striktere Kriterien für „statistische Signifikanz“ ansetzen. Andernfalls seien verblüffende Resultate vorprogrammiert. Wende man die entsprechenden Korrekturen an, lieferten die Daten von Mathews und Kollegen tatsächlich keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht des Kindes und der Kalorienzufuhr oder dem Verzehr von Frühstücksflocken.

Mathews und Kollegen hatten betont, ihre Resultate passten zu Ergebnissen aus Tierstudien, denen zufolge männliche Embryonen besonders anspruchsvoll sind und in gut genährten Müttern bessere Überlebenschancen haben sollten. Nach Ansicht Youngs und Kollegen zeigt der Fall jedoch nur zweierlei: Erstens, dass es mit der statistischen Qualität wissenschaftlicher Arbeiten nicht zum Besten bestellt sei. Und zweitens, dass „das menschliche Vorstellungsvermögen in der Lage ist, eine Logik selbst hinter den erstaunlichsten Ergebnissen zu finden“.

Autoren: S. Stanley Young, National Institute of Statistical Sciences, Research Triangle Park, North Carolina; Heejung Bang, Department of Public Health, Cornell University, Ithaca, New York; Kutluk Oktay, Department of Obstetrics & Gynecology, New York Medical College, Valhalla

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2008.1405 (Young et al.) und 10.1098/rspb.2008.0105 (Mathews et al.)

WWW:
National Institute of Statistical Sciences
Ecology & Conservation Group, University of Exeter
Statistical Test
Multiples Testen (PDF)

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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