Alte Flora ohne Gärtner
Mittwoch, 14. Januar 2009, 14:57 • Rubrik Biologie, Paläontologie.
Die Ankunft der ersten Siedler läutete tiefgreifende Veränderungen in der Natur Neuseelands ein. Das bezeugen Exkremente ausgestorbener Moas, die australische und neuseeländische Forscher gefunden haben. Gemessen am Inhalt ihres Kots, fraßen die Riesenvögel gänzlich andere Pflanzen als später eingeschleppte Nutz- und Wildtiere.
Die Bejagung durch die ersten Siedler gilt als Ursache für das Aussterben der Moas. Bild: Heinrich Harder via wikimedia.org
Wahrscheinlich hätten sich die Moas und ihre Nahrungspflanzen über lange Zeit Seite an Seite entwickelt und aneinander angepasst, folgern die Forscher um Jamie Wood von der University of Otago und Alan Cooper von der University of Adelaide. Eine solche Koevolution könne beispielsweise die kompakte, dicht verflochtene Wuchsform vieler neuseeländischer Pflanzen erklären, schreiben die Forscher im Fachblatt “Quaternary Science Reviews”.
Um mehr über die einstige Flora und Fauna Neuseelands zu erfahren, suchte Wood gezielt Höhlen und Felsüberhänge nach versteinertem Moa-Kot ab. Tatsächlich fand der Forscher an den vor Wind und Wetter geschützten Orten mehrere Hundert Koprolithen. Diese sind knapp 1.000 bis mehr als 3.000 Jahre alt und stammen damit aus der Zeit vor der ersten Besiedlung Neuseelands durch Polynesier. Damals waren die Säugetiere lediglich durch einige Fledermäuse auf den Inseln vertreten, die Rolle der großen Pflanzenfresser übernahmen bis zu drei Meter hohe und 250 Kilogramm schwere Moas.
DNA-Untersuchungen bestätigten, dass der versteinerte Kot von den Riesenvögeln stammte. Die eingehende Untersuchung der enthaltenen Samen und Blattstücke ergab, dass die Tiere eine breite Palette von Pflanzen fraßen, ungeachtet ihrer Körpergröße aber kleinere Sträucher und krautige Gewächse bevorzugten. “Wir fanden zudem viele Pflanzenarten, die mittlerweile bedroht oder selten sind”, erläutert Wood. “Möglicherweise wurde ihre Fähigkeit, sich fortzupflanzen und zu verbreiten, durch das Verschwinden der Moas beeinträchtigt.”
Die Überschneidungen mit dem Speiseplan der eingeschleppten Huftiere sind dagegen minimal, fanden Wood und Kollegen. Bei Überlegungen, die einstigen Bedingungen zumindest ansatzweise wiederherzustellen, müssten die neuen Befunde berücksichtigt werden.
Forschung: Jamie R. Wood, Department of Geology, University of Otago, Dunedin; Nicolas J. Rawlence und Alan Cooper, School of Earth & Environmental Sciences, University of Adelaide; und andere
Veröffentlichung Quaternary Science Reviews, Vol. 27, pp 2593-602, DOI 10.1016/j.quascirev.2008.09.019
WWW:
Jamie Wood, University of Otago
Ecology and Evolutionary Biology, University of Adelaide
Moa
New Zealand Native Plants
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