Posted in: Medizin, Psychologie 13. Januar 2009 13:04 Weiter lesen →

Im Alter verschmiert das Körperbild

Grafik zeigt Hände, die mit Zirkeln gereizt werden, und die zugehörigen Signalwege ins Hirn Berührungen werden in einer Region der Gehirnrinde verarbeitet, die wie eine Landkarte des Körpers organisiert ist. Dieser „Homunkulus“ verliert mit dem Alter allerdings an Trennschärfe, haben Bochumer Neurowissenschaftler ermittelt. Der Abstand zwischen jenen Regionen, die für Signale aus den einzelnen Fingern zuständig sind, ist demnach bei Senioren deutlich größer als bei jungen Erwachsenen.

Bild: Ruhr-Universität Bochum

Offenbar nehme die Hand im Hirn älterer Menschen einen größeren Platz ein als bei jüngeren, folgern Hubert Dinse von der Ruhr-Universität Bochum und seine Kollegen im Fachblatt „Cerebral Cortex“. In diesem Resultat spiegele sich die Tatsache wider, dass der Tastsinn im Laufe der Jahre nachlasse. Fingerfertigkeit erfordernde Tätigkeiten wie das Zuknöpfen eines Hemdes können so zu einer echten Herausforderung werden.

Die Forscher führten ihre Studie mit 19 bis 35 und mit 60 bis 85 Jahre alten Personen durch. Bei allen wurden während einer Messung der Gehirnströme die Kuppen von Zeigefinger und Kleinem Finger gereizt. Die Analyse der resultierenden EEG-Signale ergab, dass die Mittelpunkte der zuständigen Regionen der Großhirnrinde bei den älteren Teilnehmern um gut 40 Prozent weiter auseinander lagen als bei den jüngeren.

Laut Dinse und Kollegen ist eine solche Veränderung umso bemerkenswerter, als sie normalerweise einen Lerneffekt darstelle – zumindest bei jüngeren Menschen. Erwartungsgemäß hätten die älteren Teilnehmer aber einen weniger feinen Tastsinn aufgewiesen. Daher müsse die beobachtete Vergrößerung der Repräsentationen in der Hirnrinde andere Ursachen haben. Deren Erforschung könne vielleicht zur Entwicklung von Trainingsmethoden beitragen, um älteren Menschen möglichst lange ihre Unabhängigkeit zu bewahren.

Forschung: Tobias Kalisch, Patrick Ragert, Peter Schwenkreis, Hubert R. Dinse und Martin Tegenthoff, Institut für Neuroinformatik, Lehrstuhl für Theoretische Biologie, und Neurologische Klinik und Poliklinik, BG-Universitätsklinikum Bergmannsheil, Ruhr-Universität Bochum

Veröffentlichung Cerebral Cortex, DOI 10.1093/cercor/bhn190

WWW:
Neuroplasticity Lab, Hubert Dinse
Homunculus in der Neuroanatomie

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