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1,2 Millionen Demenzerkrankte in Deutschland

Montag, 12. Januar 2009, 13:03 • Rubrik Gesundheit, Medizin, Soziales.

Kernspin-Schnitt durch ein gesundes Hirn zeigt Lappen, Furchen, Windungen und Trakte aus weißer Substanz Mehr als jeder 70. Mensch in Deutschland leidet an einer Demenzerkrankung. Das haben zwei Rostocker Forscherinnen anhand von Krankenversicherungsdaten ermittelt. Die Mehrzahl der Betroffenen ist weiblich – vor allem deshalb, weil Frauen im Schnitt älter werden als Männer.

Drogenmissbrauch, Mangelernährung und eine Vielzahl von Erkrankungen können dazu führen, dass die geistige Leistungsfähigkeit schwindet. Bild: NIH-National Institute on Drug Abuse

Knapp 400.000 betroffenen Männern stehen demnach rund 800.000 Frauen mit einer Demenzerkrankung gegenüber, fanden Ute Ziegler und Gabriele Doblhammer vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels. Beziehe man milde Demenzen mit ein, lägen die Zahlen sogar noch höher, so die Bevölkerungswissenschaftlerinnen.

Eine Demenz, bedingt etwa durch die Alzheimersche Krankheit oder Gefäßerkrankungen, führt schlimmstenfalls zum Verlust der Persönlichkeit und zur vollständigen Pflegebedürftigkeit. Bislang habe es in Deutschland jedoch an einheitlichen Zahlen gefehlt, um die künftigen Herausforderungen für das Gesundheitssystem einschätzen zu können, schreiben Ziegler und Doblhammer im Magazin “Demografische Forschung”.

Für ihre Studie nutzten die Forscherinnen Daten aller gesetzlichen Krankenkassen und konnten so einen Überblick über die Häufigkeit und das Neuauftreten von Demenzen in den einzelnen Altersklassen erhalten. Von den 60- bis 64-Jährigen sind demnach weniger als 1 Prozent betroffen, während es bei den 80- bis 84-Jährigen bereits über 10 Prozent sind. Ab dem 75. Lebensjahr ist das Erkrankungsrisiko für Frauen höher als für Männer.

Die Zahl der Diagnosen könnte in den letzten Jahren allein deshalb gestiegen sein, weil ein Rückgang der geistigen Fähigkeiten seltener als schlichte Alterserscheinung hingenommen werde, vermuten Ziegler und Doblhammer. Zwar gibt es derzeit kein Heilmittel. Je nach der zugrunde liegenden Erkrankung sind jedoch Medikamente oder Impfungen in der Erprobung. Zahlreiche Studien lassen zudem vermuten, dass eine gesunde, aktive Lebensführung und rege geistige Betätigung zumindest die Symptome einer Demenzerkrankung abmildern können.

Forschung: Uta Ziegler und Gabriele Doblhammer, Max-Planck-Institut für Demografische Forschung, Rostock, und Institut für Soziologie und Demografie, Universität Rostock

Veröffentlichung Demografische Forschung, 08/04, und Das Gesundheitswesen, im Erscheinen

WWW:
Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels
Kompetenznetz Demenzen
Alterung

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