Fettiges trojanisches Pferd
9. Januar 2009 13:45 Drucken
Sehr fetthaltige Nahrung kann Entzündungsprozesse im Körper begünstigen. Eine Erklärung für dieses Phänomen glauben amerikanische Mediziner gefunden zu haben. Toxine der Darmflora können in eben jene Vehikel schlüpfen, in denen langkettige Fettsäuren aus dem Darm in den Körper geschafft werden.
Foto: green308 /Fotolia
Als Folge weist das Blut von Mäusen eine erhöhte Konzentration der bakteriellen Giftstoffe auf, nachdem die Tiere langkettige Ölsäure verabreicht bekommen haben, berichten die Forscher um Erik Eckhardt von der University of Kentucky im “Journal of Lipids Research”. Kurzkettige Butansäure, die nicht auf das Transportvehikel angewiesen ist, hat dagegen keinen solchen Effekt.
Bei den Vehikeln handelt es sich Chylomikronen. Diese “Fetttröpfchen”, versehen mit einem Mantel aus Emulsionsmittel, werden in der Dünndarmwand gebildet und in die Lymphe abgegeben. Eckhardt und Kollegen gingen nun der Vermutung nach, diese Tröpfchen könnten auch bakterielle Lipopolysaccharide aufnehmen, wie sie von Bakterien der Darmflora gebildet und vom Immunsystem als Gefahrensignal erkannt werden.
Ihre Versuche an Zellkulturen und Mäusen betätigten den Verdacht. So gelangte kein zusätzliches Lipopolysaccharid aus dem Darm in den Körper, wenn mit der Ölsäure ein Hemmstoff gegeben wurde, der die Bildung von Chylomikronen unterdrückt.
Die verschleppten Toxine entfalten ihre Wirkung nicht erst nach dem Übergang aus der Lymphe ins Blut, beobachteten die Forscher. Schon die Lymphknoten des Darms wurden aktiviert und bildeten einen entzündungsfördernden Botenstoff, sobald die Mäuse langkettige Ölsäure zu verdauen hatten. Auf diese Weise könnten Nahrungsfette vielleicht auch den Verlauf entzündlicher Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn und weiterer Krankheiten beeinflussen, vermuten Eckhardt und Kollegen.
Forschung: Sarbani Ghoshal, Willem de Villiers und Erik Eckhardt, Department of Internal Medicine und Cardiovascular Research Center, University of Kentucky, Lexington; und andere
Veröffentlichung Journal of Lipids Research, Vol. 50, pp 90-7, DOI 10.1194/jlr.M800156-JLR200
WWW:
Division of Digestive Diseases and Nutrition, University of Kentucky
Absorption of Lipids
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