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Moskitos singen Liebesduette

Donnerstag, 8. Januar 2009, 20:00 • Rubrik Biologie.

Nahaufnahme einer ansatzweise getigerten Stechmücke, die ihren Rüssel in menschliche Haut versenkt hat Als Plagegeister und Krankheitsüberträger haben Stechmücken ihren schlechten Ruf nicht von ungefähr. Die Tiere sind aber auch zu einer Art Romantik fähig, haben amerikanische Forscher entdeckt. Nähern sich männliche und weibliche Gelbfiebermücke im Flug, passen sie die Frequenzen ihres berüchtigten Summens aneinander an.

Während des Blutsaugens können Gelbfiebermücken Krankheitserreger übertragen. Foto: James Gathany/CDC

Zumindest jungfräuliche Weibchen reagieren dabei auch auf das männliche Summen, berichten Lauren Cator und Ben Arthur und ihre Kollegen von der Cornell University im Magazin “Science”. Dieser Befund widerlege jahrzehntealtes Lehrbuchwissen, demzufolge weibliche Stechmücken taub seien. Zudem liege die von den Tieren wahrgenommene Frequenz deutlich oberhalb der bislang vermuteten Hörgrenze.

Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) übertragen neben dem namengebenden Gelbfieber auch das Denguefieber. Beide Erkrankungen fordern alljährlich mehrere Zehntausend Todesopfer. Des ungeachtet sei die Biologie der Mücken bislang nur unvollständig erforscht, so die Forscher. Das gelte vor allem für das Paarungsverhalten – einem Ansatzpunkt für mögliche Bekämpfungsmaßnahmen.

Cator, Arthur und Kollegen befestigten Gelbfiebermücken mit winzigen Klebetropfen an einer Art Miniaturangel. Dann bewegten sie männliche und weibliche Tiere aufeinander zu und wieder voneinander weg. Typischerweise summten die Männchen mit einer Grundfrequenz um 630 Hertz, die Weibchen dagegen etwas tiefer mit einer Grundfrequenz um 430 Hertz. Kamen die Geschlechter jedoch bis auf Hörweite aneinander heran, veränderten sie ihr Summen rasch.

Spektrogramm zeigt das Summen von Männchen und Weibchen, in die Obertöne zerlegt, bei drei Gelegenheiten einander annähernd Grafik: Science/AAAS

Vor einiger Zeit hatte eine andere Arbeitsgruppe über ein ähnliches Phänomen bei einer nicht-blutsaugenden Mückenart berichtet, bei der die Geschlechter ihren Flügelschlag und damit die Grundfrequenz ihres Summens aneinander anglichen. Bei der Gelbfiebermücke ist die Anpassung jedoch subtiler, beobachteten die Forscher.

Als Resultat stimmten nicht etwa die Grundfrequenz des Summens, wohl aber zwei Obertöne perfekt überein. Dies waren der zweite Oberton (die Oktave) bei den Männchen und der dritte Oberton (eine Quinte über der Oktave) bei den Weibchen, entsprechend einer Frequenz um 1.300 Hertz. Weitere Tests bestätigten, dass beide Geschlechter in der Lage sind, Frequenzen bis zu 2.000 Hertz zu hören, und sich auch durch reine Lautsprechertöne zum akustischen Anbandeln bewegen lassen.

Forschung: Lauren J. Cator, Ben J. Arthur, Laura C. Harrington und Ronald R. Hoy, Department of Entomology und Department of Neurobiology and Behavior, Cornell University, Ithaca, New York

Online-Veröffentlichung Science, DOI 10.1126/science.1166541

WWW:
Harrington Lab, Cornell University
Hoy Lab, Cornell University
Aedes aegypti and Dengue Fever
The Sound of Skeeters
Oberton

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