Posted in: Medizin, Sport 7. Januar 2009 23:01 Weiter lesen →

Bergsteiger am Limit

Foto zeigt kahle, dunkelbraune Berge im Vordergrund, dahinter der schneebedeckte Gipfel des Mount Everest, feine Wolken In welchen Grenzbereichen sich Extrembergsteiger bewegen, demonstriert eine ungewöhnliche Expedition englischer Mediziner. Am Gipfel des Mount Everest wies das Blut ihrer Probanden eine Sauerstoffsättigung auf, wie sie Ärzte normalerweise zum sofortigen Einschreiten bewegen würde.

Foto: Luca Galuzzi – www.lucagaluzzi.it (Creative Commons SA2.5)

Tatsächlich würden unvorbereitete Menschen in der dünnen Höhenluft binnen Minuten das Bewusstsein verlieren, schreiben Mike Grocott vom University College London und seine Kollegen im „New England Journal of Medicine“. Bei den gut angepassten Probanden sei dagegen kein Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit erkennbar gewesen. Die neuen Daten belegten daher nicht nur die erstaunliche Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers. Sie könnten auch helfen, die Beatmung von Intensivpatienten zu optimieren.

Grocott und sein Team führten ihre Studie mit Bergsteigern durch, die bereits früher in Höhen von mehr als 8.000 Metern aufgestiegen waren und dies gut verkraftet hatten. Nach der Ankunft in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu ließ sich die Expedition zwei Monate Zeit, um sich zu akklimatisieren und schließlich über mehrere Zwischenstationen den mit 8.848 Metern höchsten Berg der Welt zu erklimmen. Knapp unterhalb des Gipfels legten die Probanden ihre Atemmasken ab. Zwanzig Minuten später wurde ihnen Blut aus der Oberschenkelarterie entnommen, in gasdichte Behälter gegeben und rasch in ein Labor auf 6.400 Metern Höhe gebracht. Dort konnten die Blutproben von vier Teilnehmern analysiert werden.

Der Gasdruck des im Blut enthaltenen Sauerstoffs betrug im Schnitt nur ein Viertel des in London gemessenen Wertes von 13,3 Kilopascal, berichten Grocott und Kollegen. Daraus ergab sich eine rechnerische Sauerstoffsättigung von lediglich 54 Prozent, bei einem Teilnehmer waren es sogar nur 34 Prozent. Als normal gelten dagegen Werte knapp unter 100 Prozent. Zum Teil kompensiert wurde dieser Effekt durch mehr Sauerstofftransporter im Blut: Dank der langen Anpassungszeit war der Gehalt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin beinahe doppelt so hoch wie vor dem Abflug aus England. Daher lag die im Blut transportierte Sauerstoffmenge ingesamt nur um ein Viertel unter dem Normalwert.

Forschung: Michael P.W. Grocott und Daniel S. Martin, Centre for Altitude, Space, and Extreme Environment Medicine, University College London Institute of Human Health and Performance, London; und andere

Veröffentlichung New England Journal of Medicine, Vol. 360, pp 140-9

WWW:
CASE Medicine, University College London
Höhenkrankheit
Mount Everest

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