Posted in: Archäologie, Chemie, Kultur, Technik 6. Januar 2009 14:10 Weiter lesen →

Knochen festigt Mauer

Einen ungewöhnlichen Schutzüberzug haben spanische Chemikerinnen auf einer maurischen Befestigungsanlage in Granada entdeckt. Auf die Mauerziegel wurde ein Gemenge aus Knochenpulver und Kalk aufgetragen – wohl, um sie witterungsbeständiger zu machen.

Blick von der maurischen Festung Alcazaba auf das Viertel Albaicín. Foto: Vera Bogaerts /iStockphoto

Zur Herstellung des Überzugs wurden zunächst Tierknochen bei hohen Temperaturen gebrannt, lassen die Untersuchungen von Carolina Cardell von der Universität Granada und ihren Kolleginnen vermuten. Das Aschepulver wurde dann mit gemahlenem Kalkstein aus den nahen Bergen vermengt und sorgfältig auf die Mauerziegel aufgetragen.

Hinweise auf eine solche Bautechnik hatten Archäologen bereits vor zwei Jahren im Albaicín, dem ältesten Viertel der andalusischen Stadt entdeckt. Am Fuße einer gut 3,6 Meter hohen Mauer aus dem 14. Jahrhundert waren sie auf einen Brennofen und direkt daneben auf einen Haufen aus schwarzer Asche und Tierknochen gestoßen. Cardell und ihre Gruppe nahmen das Material nun mit einem Arsenal hochentwickelter Instrumente unter die Lupe. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt „Analytical Chemistry“.

Gemessen an den Veränderungen der inneren Ofenwand, muss der Brennofen auf Temperaturen von mindestens 1.000 Grad geheizt worden sein. Die schwarze Asche besteht überwiegend aus Hydroxylapatit und damit aus jenem Calciumphosphat-Mineral, das auch die Grundsubstanz von Knochen bildet. Offenbar handelt es sich bei dem Haufen um Rückstände des Brennvorganges, die beim Reinigen des Ofens anfielen. Das Knochenmineral, zusammen mit Kalkkörnchen, findet sich zudem in dem Überzug auf den Mauerziegeln.

Eine ähnliche „Patina“ sei bereits von einigen antiken Bauwerken und mittelalterlichen Kirchen bekannt gewesen, so Cardell und Kolleginnen. Der beigemengten Knochenasche werde eine ästhetische und schützende Funktion zugeschrieben. Entsprechend sei der Überzug inzwischen auch in einem Schwimmbecken aus der Maurenzeit Granadas entdeckt worden.

Forschung: Carolina Cardell und Isabel Guerra, Departamento de Mineralogía y Petrología und Centro de Instrumentación Científica, Universidad de Granada; und andere

Veröffentlichung Analytical Chemistry, Vol. 81, DOI 10.1021/ac8022444

WWW:
Grupo de Investigación RNM 179, Universidad de Granada
Alhambra, Generalife and Albayzín, Granada
Knochen

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