Posted in: Biologie 16. Dezember 2008 01:00 Weiter lesen →

Damenwahl formt Wal-Hauer

Foto zeigt Wal mit zwei hauerartigen Stoßzähnen, die über den Kopf ragen, an der Meeresoberfläche Bei Schnabelwalen haben die Männchen oft stark vergrößerte Zähne, nicht unähnlich den Hauern männlicher Wildschweine. Den Grund dafür glaubt eine australisch-amerikanische Forschergruppe bei DNA-Untersuchungen entdeckt zu haben: Die Damen mögen es so.

Mitunter kommen die Stoßzähne auch bei Auseinandersetzungen zwischen Männchen zum Einsatz. Fotos: Nan Hauser, The Center for Cetacean Research and Conservation, http://www.whaleresearch.org

„Die Stoßzähne helfen den Weibchen, Männchen ihrer eigenen Art zu erkennen“, erklärt Scott Baker von der Oregon State University. „Anders wäre das sehr schwierig, weil die verschiedenen Arten einander in Körperbau und Färbung sehr stark ähneln.“

Baker und zwei Kolleginnen studierten Schnabelwale der Gattung Mesoplodon. Die Tiere halten sich meist weitab der Küste auf und unternehmen lange Tauchgänge, um Kalmare zu jagen. Daher sind von den 14 Spezies, in die die Gattung derzeit unterteilt wird, einige nur anhand gestrandeter Exemplare beschrieben. Um mehr über die Verwandtschaftsverhältnisse in der Gruppe zu erfahren, verglich das Forschertrio sieben Abschnitte aus dem Erbgut der Tiere.

Foto zeigt schmal zulaufenden Schädel eines Schnabelwals, der Unterkiefer mit den beiden Hauern bildet eine Art Rinne, in der der schmale Oberkiefer ruht Der so erstellte Stammbaum zeigt, dass die Stoßzähne mehrmals und unabhängig voneinander in der Gattung aufgetaucht sind. Gemessen am Verbreitungsgebiet der verschiedenen Arten, handelt es sich auch nicht um eine regionale Besonderheit. Auffällig ist jedoch, dass sich die Form der Stoßzähne bei nahe verwandten Mesoplodon-Arten besonders stark unterscheidet, berichten die Forscher im Fachblatt „Systematic Biology“. Bei eher entfernt verwandten Arten können die Zähne dagegen sehr ähnlich geformt sein.

Baker und Kolleginnen vermuten daher, dass es sich bei den Stoßzähnen um ein Produkt sexueller Selektion handelt. Dieser sich selbst verstärkende Kreislauf aus Präferenzen für ein Merkmal bei einem Geschlecht und der Ausbildung eben dieses Merkmals beim anderen könnte die große Artenzahl in der Gattung Mesoplodon erklären, glaubt das Forschertrio. Hinweise auf eine derart beschleunigte Artbildung habe man bislang nur von landlebenden Huftieren gekannt.

Forschung: Merel L. Dalebout, School of Biological, Earth, and Environmental Sciences, University of New South Wales, Kensington; Debbie Steel und C. Scott Baker, School of Biological Sciences, University of Auckland, und Marine Mammal Institute und Department of Fisheries and Wildlife, Oregon State University, Newport

Veröffentlichung Systematic Biology, Vol. 57(6), pp 857-75, DOI 10.1080/10635150802559257

WWW:
Scott Baker, Oregon State University
Merel Dalebout, University of New South Wales
Schnabelwale
Sexual Selection

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schnabelwale tauchen am tiefsten


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