Spinnen: Vorteil für kleine Liebhaber
Montag, 8. Dezember 2008, 12:17 • Rubrik Biologie.
Große Männchen sind nicht unbedingt besser dran als kleine. Das belegen Experimente eines kanadisch-australischen Forscherduos. Zumindest bei Kugelspinnen können vermeintlich zu kurz gekommene Männchen sogar klar im Vorteil sein, da sie schneller reifen und ein jungfräuliches Weibchen als erste begatten können.
Foto: Ken Jones, (c) MCB Andrade 2002
“Unsere Resultate offenbaren, dass es nicht immer nach dem Willen der großen Männchen geht”, erklärt Michael Kasumovic, mittlerweile an der University of New South Wales in Sydney. Je nach den Umständen, begünstige die Natur große oder kleine Männchen. “Die Größe ist also nicht die alleinige Messlatte für die Qualität eines Männchen”, so der Forscher. Vielmehr müsse man die Anforderungen im gesamten Verlauf des Lebens- und Fortpflanzungszyklus betrachten.
Kasumovic und seine Kollegin Maydianne Andrade an der University of Toronto studieren schon seit geraumer Zeit das Liebesleben der Rotrückenspinne Latrodectus hasselti, einer australischen Verwandten der Schwarzen Witwe. Die beiden Forscher hatten entdeckt, dass die Männchen der Art ihre Entwicklung auf Kosten des Größenwachstums beschleunigen können, wenn sie den Geruch eines noch unbegatteten Weibchens wahrnehmen. Eine Reihe von Laborexperimente sollte nun den Nutzen dieses Verhaltens klären.
Mussten sich mehrere geschlechtsreife Männchen zeitgleich um Weibchen bemühen, erzielten größere Exemplare auch einen größeren Fortpflanzungserfolg, berichten Kasumovic und Andrade im “Journal of Evolutionary Biology”. Zudem dauerten das vorsichtige Herantasten an das Weibchen und die Begattung nur etwa 50 Minuten. Ganz anders, wenn kleinere Männchen den Vorteil ihrer rascheren Entwicklung ausspielen konnten. In diesem Fall zeugten sie 10 Mal mehr Nachwuchs als größere Rivalen – und das Liebesspiel währte bis zu 4,5 Stunden.
Forschung: Michael M. Kasumovic und Maydianne C. B. Andrade, Integrative Behaviour and Neuroscience Group, University of Toronto at Scarborough, Ontario
Veröffentlichung Journal of Evolutionary Biology, DOI 10.1111/j.1420-9101.2008.01648.x
WWW:
Andrade Lab, University of Toronto at Scarborough
Evolution & Ecology Research Centre, University of New South Wales
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