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Kaltblütig aus dem Ei

Mittwoch, 3. Dezember 2008, 1:01 • Rubrik Biologie.

Foto zeigt fünf Kaulquappen mit Kiemenbüscheln in ihren transparenten Eiern Schon im Ei lernen Frösche ihre künftigen Fressfeinde von harmlosen Zeitgenossen unterscheiden, haben kanadische Biologen entdeckt. Bei ihren Versuchen wurde Froschlaich dem “Geruch” räuberischer Salamander ausgesetzt, allerdings ohne zusätzliche Gefahrensignale. Selbst Wochen später waren die Kaulquappen nicht davon zu überzeugen, dass Salamander eine Bedrohung darstellen.

Kaulquappen ziehen noch im Ei ihre Schlüsse über die Umwelt. Bild: Mnolf (Creative Commons SA2.0)

Niemals zuvor sei eine solche Lernhemmung bei Embryonen beobachtet worden, schreiben Maud Ferrari und Douglas Chivers von der University of Saskatchewan im Fachblatt “Biology Letters”. Wahrscheinlich helfe sie den Tieren, frühzeitig eine Balance zwischen lähmender Furcht auf der einen Seite und Fressen und Paaren auf der anderen Seite zu finden.

Ferrari und Chivers führten ihre Versuche mit Laich des nordamerikanischen Waldfrosches (Rana sylvatica) durch, den sie in großen Eimern heranreifen ließen. Bis kurz vor dem Schlüpfen wurden einige Eimassen täglich mit Wasser umspült, in dem ein Tigersalamander geschwommen war. Zwei Wochen später versuchten die Forscher, die Kaulquappen das Fürchten zu lehren.

Dazu brachten sie die Kaulquappen mit Wasser aus dem Salamanderbecken in Kontakt, das zusätzlich Gewebestücke einer Artgenossin enthielt. Jene Kaulquappen, die nie zuvor einen Salamander gewittert hatten, lernten ihre Lektion rasch: Wenn sie künftig den Räuber bemerkten, senkten sie ihre Schwimmaktivität auf ein Viertel des Ausgangswertes. Nicht so jene Tiere, die den Salamander bereits im Ei als harmlos kennengelernt hatten. Sie schwammen unbekümmert weiter umher.

Erst die latente Hemmung könne den evolutionären Erfolg des Lernens anhand von Alarmsignalen erklären, vermuten Ferrari und Chivers. Dieser Lernmechanismus arbeite nämlich derart effektiv, dass leicht auch harmlose Signale mit einer Bedrohung in Verbindung gebracht werden könnten. Die beobachtete Lernhemmung könnte das nötige Gegengewicht bilden.

Forschung: Maud C. O. Ferrari und Douglas P. Chivers, Department of Biology, University of Saskatchewan, Saskatoon

Veröffentlichung Biology Letters, 3. Dezember 2008, DOI 10.1098/rsbl.2008.0641

WWW:
Chivers’ Lab, University of Saskatchewan
Latent Inhibition
When Fear Takes Control

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