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Viren stärken Lungenkeim

Dienstag, 2. Dezember 2008, 1:00 • Rubrik Genetik, Medizin.

Colorierte Raster-EM-Aufnahme zeigt rötliche, wurstförmige Zellen auf einer unregelmäßig geformten, bläulichen Unterlage Der Feind eines Feindes ist nicht unbedingt ein Freund. Zumindest nicht im Falle des Lungenkeims Pseudomonas aeruginosa, haben britische und kanadische Forscher entdeckt. Der Erfolg eines besonders konkurrenzfähigen Erregerstamms ist demnach nicht etwa “hausgemacht”, sondern geht auf den Befall mit Viren zurück.

REM-Aufnahme: CDC/Janice Haney Carr

Diese Bakteriophagen haben sich im Erbgut des Bakterienstamms eingenistet und tragen heute dazu bei, dass sich dieser vergleichsweise leicht von Mensch zu Mensch und sogar von Mensch zu Tier ausbreiten kann, fanden die Forscher um Craig Winstanley von der Universität Liverpool. Werden die entsprechenden Erbgutregionen ausgeschaltet, verliert der Stamm merklich an Durchsetzungsvermögen, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Genome Research”.

Pseudomonas aeruginosa ist in der Umwelt weitverbreitet. Als Krankheitserreger gefürchtet ist das Bakterium vor allem bei Patienten mit Cystischer Fibrose (Mukoviszidose), in deren zähen Lungenschleim es einen günstigen Nährboden findet. Noch vor einigen Jahren gingen Mediziner davon aus, dass jeder Patient seinen “eigenen” Pseudomonas-Stamm in sich trägt. Dann wurde entdeckt, dass sich einzelne Stämme epidemieartig ausbreiten und andere Stämme verdrängen können. Die neuen Resultate erklären dieses Durchsetzungsvermögen und eröffnen zugleich neue Therapieansätze, hoffen die Forscher.

Winstanley und Kollegen sequenzierten das vollständige Genom des besonders erfolgreichen “Liverpool Epidemic Strain”. Sie fanden, dass sich dieser Pseudomonas-Stamms gegenüber anderen Stämmen durch zehn Erbgutabschnitte auszeichnet, die von Bakteriophagen stammen bzw. auf den Austausch von Erbgut mit anderen Bakterien zurückgehen. Schalteten die Forscher vier dieser Regionen aus, änderte sich zwar nichts an der Wachstumsrate des Stamms in Laborkulturen. Zusammen mit anderen Pseudomonas-Stämmen in die Lungen von Ratten gebracht, zeigte er jedoch eine deutlich verringerte Konkurrenzfähigkeit.

Forschung: Craig Winstanley, Division of Medical Microbiology and Genitourinary Medicine, University of Liverpool; Morgan G. I. Langille, Department of Molecular Biology and Biochemistry, Simon Fraser University, Burnaby; Robert E. W. Hancock, Centre for Microbial Diseases and Immunity Research, University of British Columbia, Vancouver; und andere

Veröffentlichung Genome Research, 2. Dezember 2008, DOI 10.1101/gr.086082.108

WWW:
Winstanley Research Group, University of Liverpool
Bacterial Gene Transfer
Pseudomonas aeruginosa
Mukoviszidose

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Zell-Leichen helfen Lungenkeimen



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