Scienceticker Astro Scienceticker Umwelt

Weniger Geschmack, mehr Pfunde

Donnerstag, 27. November 2008, 13:42 • Rubrik Ernährung, Medizin.

Das Abstumpfen des Geschmackssinns könnte zur Entstehung von Übergewicht beitragen. Neue Hinweise auf diesen Zusammenhang liefern Versuche, die zwei amerikanische Neurowissenschaftler mit Ratten durchgeführt haben. Gaben sie übergewichtigen Tieren Süßes zu schmecken, sprach deren Gehirn nur zögerlich auf Signale von der Zunge an.

Foto: Christian Lebon /Fotolia

Dieser Effekt könnte Teil eines Teufelskreises sein, der letztlich zu Übergewicht und Folgekrankheiten wie Diabetes führt, glaubt Andras Hajnal von der Pennsylvania State University. “Wenn schmackhafte Speisen einen schwächeren Sinneseindruck hervorrufen, neigt man dazu, mehr davon zu essen.”

Hajnal und sein Kollege Peter Kovacs verglichen normale Ratten mit Artgenossen, bei denen ein Sättigungshormon aufgrund eines Gendefekts kaum noch Wirkung entfalten kann. Diese Tiere entwickeln einen regelrechten Heißhunger auf Süßes und Fettiges und in der Folge Übergewicht und Diabetes.

Die Ratten bekamen unterschiedlich stark konzentrierte Rohrzuckerlösungen zu schmecken. Gleichzeitig registrierten die Forscher die Nervenaktivität in einem Teil des Stammhirns, in dem Nervensignale von der Zunge umgeschaltet und weitergeleitet werden. Verglichen mit den schlanken Nagern, löste der Zuckergeschmack bei den übergewichtigen Tieren eine 50 Prozent schwächere Nervenreaktion aus, berichten die Forscher im “Journal of Neurophysiology”. Zudem feuerten die Nervenzellen dieser Tiere erst bei hohen Zuckerkonzentrationen mit maximaler Stärke. Die Reaktion auf salzigen oder sauren Geschmack war dagegen bei allen Ratten ähnlich.

“Bei Übergewicht sollte das Gehirn eigentlich dafür sorgen, dass man weniger isst oder sehr kalorienhaltige Speisen meidet”, erläutert Hajnal. Die neuen Resultate zeigten, dass ein Abstumpfen der Geschmackswahrnehmung – möglicherweise in Reaktion auf den hohen Kohlenhydrat- und Fettgehalt der Nahrung – zum Versagen dieses Kontrollsystems beitragen könnte.

Forschung: Peter Kovacs und Andras Hajnal, Department of Neural and Behavioural Sciences, Pennsylvania State University, Hershey

Veröffentlichung Journal of Neurophysiology, Vol. 100(4), pp 2145-57, DOI 10.1152/jn.01359.2007

WWW:
Neuroscience Research Institute, Pennsylvania State University
Geschmacksinformation im Gehirn
Übergewicht / Adipositas
Cholecystokinin

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Große Erwartungen bei Übergewichtigen
Gehirnchemie beeinflusst Geschmackssinn
Hunger schärft den Geschmackssinn



Möchten Sie den Beitrag bewerten?

SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading ... Loading ...

Empfehlen Sie den Text weiter! Empfehlen Sie den Text weiter!

Drucken Drucken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Copyright © 2011 by Stefan Jacobasch und Carsten Meinke (Impressum) | Template by Gabfire themes
Real Time Web Analytics