Posted in: Genetik, Medizin 25. November 2008 15:29 Weiter lesen →

Neuer Lepra-Erreger entdeckt

Mikroskopaufnahme zeigt Zellen von M. leprae als rötlich angefärbte, längliche Gebilde inmitten größerer, bläulich angefärbter Hautzellen Einen zweiten Lepra-Erreger glauben amerikanische Mediziner entdeckt zu haben. Das Bakterium könnte für eine Variante der Erkrankung verantwortlich sein, die vor allem in Mittelamerika und der Karibik beobachtet wird.

Mycobacterium leprae (rötliche Gebilde) im Abstrich einer Hautläsion. Bild: CDC

Auch heute noch erkranken jährlich mehrere Hunderttausend Menschen am „Aussatz“. Bislang würden sämtliche dieser Fälle Mycobacterium leprae zugeschrieben, erläutert Xiang-Yang Han von der University of Texas in Houston. Die Existenz eines zweiten Erregers lasse vermuten, dass die große Variabilität des Krankheitsverlaufs nicht allein durch Unterschiede im Immunsystem der Patienten zustande komme.

Han und Kollegen fanden den Erreger in Gewebeproben eines Mannes, der im Jahr 2007 mit schweren Hautläsionen in ein Krankenhaus im Südwesten der Vereinigten Staaten eingeliefert worden war und kurz darauf einen tödlichen Schock erlitten hatte. Die Untersuchung der Läsionen bestätigte, dass der Mann an Lepra vom diffusen lepromatösen Typ litt – bedingt durch den Verschluss der Blutgefäße in der Haut. Allerdings stammte die bakterielle DNA in dem Gewebe nicht von Mycobacterium leprae, berichten die Mediziner im „American Journal of Clinical Pathology“.

Ähnliche Resultate ergab die Untersuchung von Gewebepräparaten eines Patienten, der bereits im Jahr 2002 gestorben war und den man aufgrund seiner Hautläsionen zunächst für ein Verbrennungsopfer gehalten hatte. Auch hier entsprachen die gefundenen Sequenzen nicht den erwarteten. Im Falle des sehr langsam mutierenden Gens für die 16S-rRNA hätten sich die Unterschiede auf 2,1 Prozent belaufen, erläutert Han. Diese Abweichung sei beachtlich, wenn man bedenke, dass Isolate von Mycobacterium leprae aus verschiedenen Teilen der Welt praktisch identisch seien.

Han und Kollegen schreiben die DNA-Sequenzen der neuen Spezies Mycobacterium lepromatosis zu. Diesen Erreger haben sie zwischenzeitlich bei zwei weiteren Patienten in Singapur nachweisen können, bei denen die Erkrankung ebenfalls diffus lepromatös verlief. Nun arbeitet die Gruppe daran, das Bakterium zu isolieren und sein Erbgut vollständig zu entziffern. Erschwert wird dieses Vorhaben dadurch, dass sich der neue Lepra-Erreger – ebenso wie der klassische – im Laufe der Evolution extrem abhängig von seinem Wirt gemacht hat. Daher kann er nicht in Reinkultur vermehrt werden.

Forschung: Xiang-Yang Han, Department of Laboratory Medicine, M.D. Anderson Cancer Center, University of Texas, Houston; R. Geetha Nair, Maricopa Integrated Health System, Phoenix, Arizona; und andere

Veröffentlichung American Journal of Clinical Pathology, Vol. 130(6), Dezember 2008, pp 856-64, DOI 10.1309/AJCPP72FJZZRRVMM

WWW:
Pathology & Laboratory Medicine, M.D. Anderson Cancer Center
Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.
Mycobacteria

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