Wie das Gehirn Wörter findet
24. November 2008 14:38 Drucken
Wer eine Unterhaltung in einer fremden Sprache hört, nimmt meist nur einen steten Strom von Silben wahr. Wie gut das Gehirn diesen Strom bändigen lernt, lässt sich auf verblüffend einfache Weise verfolgen, haben japanische und chinesische Neurowissenschaftler entdeckt. Ein Ausschlag in den Gehirnstrommessungen zeigt an, ob die Grenze zwischen zwei Wörtern erkannt wird oder nicht.
Dieses Phänomen sei besonders ausgeprägt in den frühen Phasen des Lernens, erläutern die Forscher um Kazuo Okanoya vom japanischen Forschungszentrum Riken. In dieser Phase entdecke das Gehirn die statistischen Eigenschaften einer neuen Sprache und beginne zu ahnen, in welcher Weise Silben kombiniert und gruppiert seien.
Okanoya und Kollegen setzten ihren Versuchsteilnehmern EEG-Elektroden zur Messung der Gehirnströme auf die Kopfhaut und baten sie dann, sich zu entspannen und einer kontinuierlichen Folge von Tönen zu lauschen. Dabei handelte es sich um eine “Erzählung” in einer eigens kreierten Tonsprache, die lediglich sechs Wörter aus je drei Tönen umfasste. In Abständen von einigen Minuten wurde getestet, wie es um die Vokabelkenntnisse der Teilnehmer stand.
Wie die Forscher im “Journal of Cognitive Neuroscience” berichten, spiegelte sich der Anstieg der Lernkurve in den EEG-Daten wider. Etwa 400 Millisekunden nach dem Beginn eines jeden Wortes kam es zu einem Ausschlag der Hirnströme. Bei schnell lernenden Teilnehmern war dieses N400-Signal am Anfang der Sitzung besonders stark ausgeprägt. Bei mäßig rasch lernenden Teilnehmern erreichte es erst später ein Maximum. Keine Veränderung seiner Stärke war dagegen bei den Teilnehmern mit dem geringsten Lernerfolg festzustellen.
Forschung: Dilshat Abla, Kentaro Katahira und Kazuo Okanoya, Brain Science Institute, RIKEN, Wako, und Xinjiang Medical University, Urumchi
Veröffentlichung Journal of Cognitive Neuroscience, Vol. 20(6), pp 952-64, DOI 10.1162/jocn.2008.20058
WWW:
Laboratory for Biolinguistics, Kazuo Okanoya
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