Sehrinde passt sich an

21. November 2008 16:22 Drucken

2 funktionelle Kernspinaufnahmen, in denen rot bis gelb eingefärbte Bereiche die unterschiedlich starke Aktivierung in der Sehrinde im Hinterhauptslappen widerspiegeln Wird das Gehirn mit neuen Aufgaben konfrontiert, kann es seine Struktur daran anpassen. Das gilt auch für das Sehzentrum, vermuten amerikanische Wissenschaftler nach Versuchen mit Patienten, bei denen der Bereich des schärfsten Sehens in der Netzhaut ausgefallen war. Der entsprechende Teil im Sehzentrum fand zu beachtlicher Aktivität zurück, nachdem sich die Patienten angewöhnt hatten, Objekte mit einem anderen Teil der Netzhaut ins Auge zu fassen.

Wird der “bevorzugte” Teil der peripheren Netzhaut gereizt, fällt die Aktivierung in der Sehrinde deutlich stärker aus. Bilder: Eric Schumacher/Georgia Tech

Dieses Resultat stehe im Widerspruch zu früheren Studien, bei denen keine solche Plastizität der Sehrinde festgestellt worden sei, erklärt Eric Schumacher vom Georgia Institute of Technology in Atlanta. Allerdings sei bei diesen Studien nicht überprüft worden, ob die Patienten einen beliebigen oder stets den gleichen Teil des Gesichtsfelds als Ersatz nutzten. “Unsere Resultate lassen vermuten, dass es das Verhalten des Patienten ist, das den Unterschied macht”, so der Psychologe.

Schumacher und Kollegen studierten 13 Personen mit Altersbedingter Makuladegeneration. Bei der Erkrankung kommt es zu einer Schädigung des zentralen, für das schärfste Sehen zuständigen Teils der Netzhaut. In diesem Fall hatten sich die Betroffenen angewöhnt, Objekte stets mit dem gleichen Abschnitt der peripheren, noch funktionierenden Netzhaut zu fixieren. Das Resultat waren deutliche Veränderungen der Gehirnaktivität, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Restorative Neurology and Neuroscience”.

Reizten die Forscher den “bevorzugten” Teil der peripheren Netzhaut, konnten sie eine stärkere Aktivierung in dem für das schärfste Sehen zuständigen Bereich der Sehrinde beobachten als bei Reizung eines beliebigen anderen Teils der Netzhaut. Die Aktivierung war zudem stärker als bei Kontrollpersonen, wenn deren periphere Netzhaut gereizt wurde. “Damit sich eine Gehirnregion neu organisiert, reicht es also nicht, dass lediglich die eingehenden Nervensignale wegfallen”, folgert Schumacher. “Es kommt auch darauf an, dass sich das Verhalten des Patienten ändert.”

Forschung: Eric H. Schumacher, Julie A. Jacko und Jimmy Ginn, School of Psychology und School of Biomedical Engineering, Georgia Institute of Technology, Atlanta; und andere

Veröffentlichung Restorative Neurology and Neuroscience, Vol. 26(4-5), pp 391-402

WWW:
Cognitive Neuroscience Lab, Eric Schumacher
Die Sehbahn
Altersbedingte Makuladegeneration

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