Posted in: Kultur, Mathematik, Psychologie 20. November 2008 22:13 Weiter lesen →

Schön ist richtig

Grafik zeigt Additionen symmetrischer und unsymmetrischer PunktmengenMathematiker können regelrecht ins Schwärmen geraten, wenn sie über berühmte Gleichungen oder Beweise sprechen. Tatsächlich könnte Schönheit in der mathematischen Intuition eine wichtige Rolle spielen, zeigt ein Experiment norwegischer Forscher. Ihre Probanden schätzten einfache Additionsgleichungen besonders häufig als korrekt ein, wenn die zugehörigen Zahlen als symmetrische Punktmengen dargestellt wurden.

Dieser Effekt zeigte sich auch dann, wenn die Teilnehmer das Ergebnis der Gleichungen zumindest überschlagen konnten, fanden die Psychologen und Mathematiker um Rolf Reber von der Universität Bergen. Offenbar werde Symmetrie unwillkürlich als ein Hinweis auf Korrektheit gewertet, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Psychonomic Bulletin & Review“.

Reber und Kollegen gingen der Hypothese nach, dass die wahrgenommene Schönheit oder Richtigkeit einer Aussage dadurch beeinflusst wird, wie leicht sie im Gehirn verarbeitet werden kann. Unterstützt von 64 Freiwilligen, studierten sie die Wirkung von Symmetrie als möglichem Bindeglied zwischen Schönheit und raschem Verarbeitungsfluss.

Die Versuchsteilnehmer sahen für 0,6 bzw. 1,8 Sekunden Additionsgleichungen aus Punktmengen und sollten dann angeben, ob sie die Gleichungen für richtig oder falsch hielten. Die Hälfte der Gleichungen war falsch, zudem waren die Punkte mal symmetrisch und mal unsymmetrisch angeordnet. Beispielsweise wurde die Zahl 9 mal in Form von 3 Reihen à 3 Punkten dargestellt, mal in Form von 3 Reihen mit 4, 2, bzw. 3 Punkten.

Stets wurden die Gleichungen mit symmetrischen Punktmengen häufiger als richtig eingestuft, beobachteten die Forscher. Bei der kürzeren, sehr knapp bemessenen Betrachtungsdauer schien die Symmetrie sogar der einzige Anhaltspunkt zu sein, nach dem sich die Teilnehmer richteten.

Letztlich wurden aber auch falsche, symmetrisch dargestellte Gleichungen eher als korrekt gewertet. Daher könne der Effekt der Symmetrie nicht allein in einer höheren Verarbeitungsgeschwindigkeit begründet liegen, folgern Reber und Kollegen. Offenbar bewirke der Anblick von Symmetrie pauschal ein gutes Bauchgefühl.

Forschung: Rolf Reber, Morten Brun und Karoline Mitterndorfer, Avdeling for biologisk og medisinsk psykologi und Matematisk institutt, Universitetet i Bergen

Veröffentlichung Psychonomic Bulletin & Review, Vol. 15(6), pp 1174-8, DOI 10.3758/PBR.15.6.1174

WWW:
Avdeling for biologisk og medisinsk psykologi, Universität Bergen
Euler’s Beauties
Equations as icons
Die Wissenschaft von der Schönheit

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