Narben können sexy sein
Mittwoch, 19. November 2008, 16:08 • Rubrik Anthropologie, Kultur.
Wer eine Narbe im Gesicht trägt, muss sich nicht unbedingt Sorgen um seine Attraktivität machen. Ganz im Gegenteil, haben schottische Psychologen im Rahmen einer kleinen Studie ermittelt. In den Augen einer Frau, die auf ein amouröses Abenteuer aus ist, kann eine Narbe einem Mann sogar zusätzlichen Sexappeal verleihen.
Auf die Attraktivität als dauerhaften Partner hatten Narben dagegen keinerlei Einfluss, ermittelten die Forscher um Robert Burriss von der University of Liverpool. Burriss hält es daher für denkbar, dass Frauen in einer Narbe “ein Männlichkeitssymbol sehen, ein Merkmal, das mit einem hohen Testosteronspiegel einhergeht und daher auf eine hohe genetische Qualität schließen lässt”.
Die Forscher fotografierten je 24 Männer und Frauen und berechneten aus den Bildern je 8 “Durchschnittsgesichter”. Diese legten sie – teils mit langen Narben auf Stirn, Schläfe oder Wange versehen – insgesamt 179 Studierenden vor. Diese sollten nicht nur die Attraktivität der Gesichter bewerten, sondern auch Angaben zur möglichen Herkunft der Narben machen.
Verblüffenderweise wurden Narben bei Männern deutlich häufiger einem Akt von Gewalt zugeschrieben als bei Frauen. Und während Narben die Attraktivität männlicher Gesichter leicht erhöhten, schienen sie in weiblichen Gesichtern keinerlei Effekt zu haben, berichten die Forscher im Fachblatt “Personality and Individual Differences”.
Narben zeigten an, dass der Träger eine Verletzung überstanden habe, so Burriss und Kollegen. Dementsprechend gälten Narben in vielen Kulturen als Symbol von Stärke und Reife. Das gelte nicht nur in vermeintlich primitiven Völkern, so die Forscher. Vor nicht allzu langer Zeit sei ein “Schmiss”, wie man ihn sich in schlagenden Studentenverbindungen teils heute noch beibringe, auch in Europa von potenziellen Gattinnen mit Wohlwollen betrachtet worden.
Forschung: Robert P. Burriss und Hannah M. Rowland, School of Biological Sciences, University of Liverpool; Anthony C. Little, Department of Psychology, University of Stirling
Veröffentlichung Personality and Individual Differences, DOI 10.1016/j.paid.2008.09.029
WWW:
Oracle Lab, Robert Burriss
Little Lab
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