Neue Mikrobe aus Milch
17. November 2008 15:40 Drucken
Rohmilch sollte zügig und nur von gesunden Menschen verzehrt werden. Nicht ohne Grund, belegt eine Entdeckung israelischer Biologinnen. In weitgehend unbehandelter Kuhmilch fanden sie erneut ein bislang unbekanntes Bakterium, das sich auch bei Kühlschranktemperaturen vermehrt.
Foto: Gorssel (Gnu FDL)
Ob der Neuling, getauft auf den Namen Chryseobacterium oranimense, beim Menschen zu Infektionen führen kann, ist derzeit nicht bekannt. Auf jeden Fall gebe das Bakterium eine Reihe von Enzymen ab, die die Milch schnell verderben lassen könnten, erläutert Malka Halpern von der Universität Haifa in Tiw’on.
Rohmilch wird in Deutschland als “Vorzugsmilch” verkauft, die nach dem Melken lediglich filtriert und nicht erhitzt worden ist. Bereits im letzten Jahr hatten Halpern und ihre Gruppe in solcher Milch zwei neue Arten von Chryseobakterien gefunden. Ihren jüngsten Fund stellen sie im “International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology” vor.
Die Zellen von Chryseobacterium oranimense, benannt nach dem Oranim-Campus der Universität, sind stäbchenförmig und enthalten ein orangefarbenes Pigment. Dass es sich um eine neue Art handelt, zeigte sich bei der Sequenzierung eines großen RNA-Moleküls. Diese 16S-rRNA ist für die Proteinherstellung in der Zelle von so großer Bedeutung, dass das zugehörige Gen nur langsam mutiert. In diesem Fall bestehen jedoch deutliche Sequenz-Unterscheide zum ähnlichsten bekannten Gegenstück. Offenbar gehen die bakteriellen Neulinge schon seit geraumer Zeit ihre eigenen Wege.
“Milch wird nach dem Melken gekühlt, um das mikrobielle Wachstum zu bremsen”, so Halpern weiter. Einige Bakterien, etwa die Chryseobakterien, könnten sich aber auch bei Temperaturen von einigen wenigen Grad Celsius noch teilen und so allmählich zur dominanten Gruppe in der Milch heranwachsen. Umso wichtiger sei es, mehr über diese kältetolerante Flora und ihre Aktivität herauszufinden.
Forschung: Elionora Hantsis-Zacharov, Tamar Shakéd, Yigal Senderovich und Malka Halpern, Department of Evolutionary and Environmental Biology und Department of Biology Education, University of Haifa at Oranim, Tiw‘on
Veröffentlichung International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, Vol. 58, pp 2635-9, DOI 10.1099/ijs.0.65819-0
WWW:
Malka Halpern, University of Haifa
Biological Diversity: Bacteria and Archaeans
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