Posted in: Kurzmeldungen 11. November 2008 16:32 Weiter lesen →

Kurzmeldungen am Dienstag, 11.11.2008

Karte der Erde, auf der die Todeszonen der Ozeane violett gekennzeichnet sind Die sauerstoffarmen Todeszonen im Ozean werden sich ausweiten, sagen Kieler Forscher voraus. Giftiger Schwefelwasserstoff regt bei mexikanischen Höhlenfischen die Bildung neuer Arten an. Am Kyffhäuser lebten vor 460.000 Jahren Fellnashörner. Und: Heute vor 436 Jahren.

Sauerstoff im Weltozean. Regionen mit sehr geringem Sauerstoff sind violett gekennzeichnet und finden sich überwiegend in den Tropen. Grafik: IFM-GEOMAR

Dem Ozean droht neben der zunehmenden Versauerung auch eine Ausbreitung sauerstoffarmer Zonen. In diesen werde kein höheres Leben mehr möglich sein, befürchten Forscher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Verantwortlich für die Entwicklung sei der vom Menschen verursachte Kohlendioxid-Anstieg, schreiben sie in der Fachzeitschrift „Global Biogeochemical Cycles“. „Unsere Untersuchungen zeigen eine Ausbreitung der Zonen mit sauerstoffarmem Wasser um bis zu 50 Prozent bis zum Ende dieses Jahrhunderts“, sagt Forschungsleiter Andreas Oschlies. „Wir haben in unseren Rechnungen zwar angenommen, dass die Menschen so weiter machen wie bisher, trotzdem hätten wir diesen Effekt nicht in diesem Umfang erwartet“. Zurückzuführen sei der Sauerstoff-Schwund in einigen hundert Metern Tiefe auf den bakteriellen Abbau absinkenden organischen Materials. Dies werde durch einen Düngeeffekt des CO2 an der Meeresoberfläche immer kohlenstoffreicher und zehre damit beim Abbau mehr Sauerstoff als die herkömmliche proteinreiche Biomasse. (Abstract in „Global Biogeochemical Cycles“)

Giftiger Schwefelwasserstoff im Wasser kann sich auf die evolutionäre Entwicklung von Fischen auswirken. Ein internationales Team von Biologen entdeckte diesen Effekt bei mexikanischen Zahnkärpflingen. Die nur wenige Zentimeter großen Fische leben in einem verzweigten Fluss- und Höhlensystem, in welchem das Wasser teils stark schwefelwasserstoffhaltig ist. Schwefelwasserstoff behindert als Atemgift unter anderem den Sauerstofftransport durch die roten Blutkörperchen. Die Zahnkärpflinge konnten sich den lebensfeindlichen Bedingungen anpassen: Sie entwickelten einen größeren Kopf und eine größere Oberfläche der Kiemen. Die Veränderungen seien so massiv, dass sich die Tiere nicht mehr mit Artgenossen aus den schwefelwasserstofffreien Abschnitten des Flusses paaren könnten, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Evolution“. (Universität Potsdam)

Schädel eines Fellnashorns Fellnashörner waren in Mitteleuropa früher unterwegs als bisher geschätzt. Das verrät der fossile Schädel des ältesten europäischen Fellnashornfunds in Europa, der vom Kyffhäusergebirge stammt. Als das Tier vor rund 460 000 Jahren verendete, war es etwa 12 Jahre alt. Es starb in einem Schmelzwasserdelta, das sich vor dem Inlandgletscher gebildet hatte, der bis nach Mitteldeutschland vorgerückt war. In der so genannten Mammutsteppe lebten damals gut angepasste Mammuts, Rentiere, Moschusochsen und andere Kaltzeittiere. „Mit dem Fund können wir erstmals exakt die Entstehung einer Kaltzeitfauna datieren, die sich fast über den gesamten asiatischen und europäischen Raum verbreitetet hat“, sagt Ralf-Dietrich Kahlke vom Forschungsinstitut Senckenberg. Der Schädel, der die Datierung ermöglicht, war schon vor etwa hundert Jahren am Fuß des Kyffhäusers entdeckt und in mehr als 50 Fragmenten geborgen worden. Die Senckenberg-Präparatoren am Standort Weimar haben ihn jetzt zusammengesetzt (Foto). Der Schädel belege, so die Forscher, wie gut sich die Fellnashörner an die Bedingungen ihres Lebensraums angepasst hätten. Die Tiere verzehrten vor rund zwei Millionen Jahren eine eher gemischte Nahrung, zu der auch die Blätter von Sträuchern und Bäumen gehörten. Als ihr Lebensraum in der kälter werdenden Periode versteppte, entwickelten sie sich zu Spezialisten für die Beweidung niedriger Steppennahrung. Das folgern die Forscher aus dem rekonstruierten rasenmäherartigen Maul mit seinem massiven Mahlgebiss. (Forschungsinstitut Senckenberg)

Jahrestag: Heute vor 436 Jahren entdeckte Tycho Brahe im Sternbild Kassiopeia einen „neuen Stern“, der sich später als Supernova SN1572 herausstellte. (Wikipedia)

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