Fettgewebe produziert Farbstoff

7. November 2008 12:57 Drucken

Mikroskopaufnahme zeigt Fettgewebe, bestehend aus praktisch durchsichtigen, polygonalen Zellen mit dünner BegrenzungWenn sich immer mehr Reservekalorien im Körper anhäufen, wird es selbst dem Fettgewebe irgendwann zu bunt. Amerikanische Biochemiker haben entdeckt, dass Fettzellen krankhaft übergewichtiger Personen das Pigment Melanin produzieren. Eher bekannt als Farbstoff in Haut und Haar, könnte das Molekül im Fettgewebe Teil einer Stressreaktion sein.

Einst als schlichter Speicher betrachtet, greift Fettgewebe auf vielfältige Weise in den Stoffwechsel ein. Bild: USDA-Agricultural Research Service

Frühere Studien hatten gezeigt, dass das Fettgewebe bei Übergewichtigen entzündungsfördernde Signalstoffe freisetzt. Melanin besitze dagegen entzündungshemmende Eigenschaften, so die Forscher um Ancha Baranova von der George Mason University. Über eine mögliche Verbindung zwischen Übergewicht und Melaninsynthese könne man derzeit allerdings nur spekulieren, schreibt die Gruppe im “FASEB Journal”.

Baranova und ihrem Team war aufgefallen, dass in Fettgewebe offenbar einige Gene aktiv sind, die mit der Produktion von Melanin in Verbindung stehen. Da dieser Befund allen bisherigen Annahmen widersprach, führte die Gruppe eingehende Untersuchungen an Gewebeproben aus dem Bauchfett fettleibiger Patienten durch – und fand ihren Verdacht bestätigt. Neben dem Enzym Tyrosinase, das die Oxidation der Aminosäure Tyrosin und damit den ersten Schritt der Melaninsynthese bewerkstelligt, bildeten die Zellen weitere entsprechende Proteine. Und auch das Melanin selbst war in den Proben nachweisbar.

“Ein zu hoher Gehalt an Lipidmolekülen setzt die Fettzellen oxidativem Stress aus”, erklärt Baranova. “Daher erscheint es durchaus denkbar, dass sich die Zellen zu schützen versuchen, indem sie Melanin produzieren.” Sollten weitere Studien zeigen, dass das Pigment tatsächlich eine nennenswerte Schutzwirkung entfalte, könnte dieser vielleicht auch für therapeutische Maßnahmen genutzt werden, glaubt die Forscherin. Die Melaninsynthese im Körper sei jedenfalls relativ leicht zu beeinflussen.

Forschung: Manpreet Kaur Randhawa und Ancha Baranova, Molecular and Microbiology Department, College of Science, George Mason University, Manassas, Virginia; und andere

Online-Veröffentlichung FASEB Journal, DOI 10.1096/fj.08-116327

WWW:
Baranova Lab, George Mason University
Fettgewebe
Übergewicht / Adipositas

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