Erstes Krebs-Genom sequenziert
5. November 2008 19:00 Drucken
Von einer normalen Körperzelle bis zum Tumor ist es ein langer Weg. Welche genetischen Veränderungen er mit sich bringt, haben amerikanische Forscher nun erstmals umfassend erfasst. Sie sequenzierten das Erbgut sowohl in normalen als auch in entarteten Zellen einer Leukämiepatientin. Der Vergleich dieser Daten ergab, dass die Krebszellen Mutationen in 10 Genen aufwiesen.
Bei Leukämiepatienten produziert das Knochenmark große Mengen unreifer weißer Blutkörperchen. Bild: Washington University
Lediglich zwei dieser Gene seien bereits früher mit Leukämie in Verbindung gebracht worden, schreiben die Forscher um Timothy Ley und Elaine Mardis von der Washington University im Magazin “Nature”. Mindestens drei der neu identifizierten Gene seien bekanntermaßen an der Kontrolle des Zellwachstums beteiligt. Ob die gefundenen Mutationen tatsächlich zu Entstehung und Fortschreiten der Krankheit beitrügen, müsse nun eingehend untersucht werden.
Die untersuchten Zellen stammten von einer Frau mittleren Alters, die an akuter myeloischer Leukämie (AML) erkrankt war. Ihr Knochenmark produzierte große Mengen weißer Blutkörperchen, die unreif und damit nicht funktionsfähig waren und sich zudem in allen Teilen des Körpers einnisteten. Die Therapie schlug zunächst gut an, nach einigen Monaten erlitt die Patientin jedoch einen Rückfall und starb kurze Zeit später.
Ley und Kollegen nutzten eine junge, vergleichsweise günstige und schnelle Technik, um das Erbgut in entarteten Knochenmarks- und Blutzellen zu sequenzieren, die im Rahmen der Erstdiagnose und während des Rückfalls entnommen worden waren. Als Vergleichsmaßstab sequenzierten sie zudem das Genom aus Hautzellen der Frau. Die so erhaltenen Daten glichen sie zudem mit den bis dato vorliegenden, menschlichen Genomsequenzen ab.
Unter anderem untersuchte die Gruppe 187 weitere AML-Patienten auf identische Mutationen in den neu identifizierten Genen – und wurden in keinem einzigen Fall fündig. “Das zeigt uns, dass es bei Krebs eine enorme genetische Vielfalt gibt, selbst bei einem einzigen Fall”, erklärt Richard Wilson, einer der beteiligten Forscher. “Wahrscheinlich können sehr, sehr viele unterschiedliche Mutationen in einigen wenigen Genen zu dem gleichen Resultat führen.”
Forschung: Timothy J. Ley, Elaine R. Mardis und Richard K. Wilson, Department of Medicine, Department of Genetics, Genome Center und Siteman Cancer Center, Washington University School of Medicine, St. Louis, Missouri; und andere
Veröffentlichung Nature, Vol. 456, 6. November 2008, pp 66-72, DOI 10.1038/nature07485
WWW:
Der Artikel online (Creative Commons)
Genome Sequencing Center, Washington University
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