Posted in: Genetik, Medizin 3. November 2008 23:00 Weiter lesen →

Ungeahnte Vielfalt auf Handflächen

eine Hand Aus Sicht der bakteriellen Mitbewohner bietet jeder Mensch etwas andere Umweltbedingungen. Am Beispiel der Handflächen von 51 Personen haben amerikanische Forscher ermittelt, dass Individuen typischweise kaum ein Siebtel ihrer Bakterienarten gemein haben. Auch scheinen Frauen eine größere Artenvielfalt zu beherbergen als Männer.

Foto: Alx /Fotolia

Damit nicht genug, weisen auch die Mikrofloren auf rechter und linker Hand deutliche Unterschiede auf, berichten die Forscher um Noah Fierer von der University of Colorado, Boulder, in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Zudem variiert die genaue Artenzusammensetzung mit der Zeit, die seit dem letzten Händewaschen verstrichen ist. Diese Resultate zeigten, wie schwierig es sei, eine „gesunde Mikroflora“ zu definieren, so die Forscher.

Fierer und Kollegen nahmen Abstriche beider Handflächen von 51 Studierenden, die sie beim Verlassen eines Prüfungszimmers abgefangen hatten. Die in den Proben enthaltenen bakteriellen 16S-RNA-Gene, häufig zur Aufklärung von Verwandtschaftsverhältnissen genutzt, wurden zunächst vervielfältigt und dann sequenziert. Das Resultat waren rund 350.000 Sequenzen, von denen letztlich knapp 332.000 für einen systematischen Vergleich nutzbar waren. Sequenzen mit mindestens 97 Prozent Ähnlichkeit wurden der gleichen Art zugeordnet.

Bei durchschnittlich 158 Arten pro Hand fanden die Forscher insgesamt mehr als 4.700 Arten. Zwar kamen Vertreter einiger weniger Bakteriengattungen – darunter Propionibacterium, Streptococcus und Staphylococcus – auf praktisch allen Händen vor. In der Besiedlung durch seltene Arten, die nur durch wenige verschiedene Sequenzen vertreten waren, zeigten sich jedoch erhebliche Unterschiede. Diese ließen sich nur zum Teil durch Geschlecht, Händigkeit und Handhygiene erklären. Weitere mögliche Einflussfaktoren könnten Hormonhaushalt, Struktur und pH-Wert der Haut sowie die unterschiedliche Nutzung von Kosmetika sein.

Der Vergleich mit früheren Studien lege nahe, dass die bakterielle Flora der Haut artenreicher sei als die in Rachen, Magen und Enddarm, so die Forscher. Diese Tatsache sei jedoch kein Grund zur Besorgnis, betont Fierers Kollege Rob Knight: „Die überwiegende Mehrheit dieser Bakterien ist nicht-pathogen und einige Bakterien wirken sogar der Verbreitung von Krankheitserregern entgegen.“

Forschung: Noah Fierer und Rob Knight, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences und Department of Chemistry and Biochemistry, University of Colorado, Boulder; und andere

Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0807920105

WWW:
Fierer Lab, University of Colorado, Boulder
The Bacterial Flora of Humans

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schmier schlägt Hightech
Desinfektionsmittel begünstigen Antibiotikaresistenzen


Posted in: Genetik, Medizin
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.