Mikroben lassen Gras duften
31. Oktober 2008 17:55
Bakterielle Mitbewohner verhelfen einem tropischen Gras zu seinem süßlich-rauchigen Duft, haben italienische Forscher entdeckt. Die Mikroben nisten sich in den Wurzeln des Vetiver-Grases ein und wandeln von der Pflanze produzierte Substanzen in ätherische Öle um. Diese werden wiederum als Rohstoff von der Parfumindustrie geschätzt.
Pro Jahr werden weltweit etwa 250 Tonnen des bernsteinfarbenen Vetiver-Öls gewonnen. Foto: David Monniaux (Creative Commons Attribution SA2.0)
Damit nicht genug, fanden Luigi Del Giudice vom Istituto di Genetica e Biofisica in Neapel und seine Kollegen. Die Bakterien regen die Wurzelzellen überhaupt erst zur Produktion der Ausgangssubstanzen an. Unter sterilen Bedingungen gewachsenes Gras enthält bestenfalls Spuren von Ölen, berichten die Forscher im Fachblatt “Environmental Microbiology”. Ihrer Ansicht nach könnten die mikrobiellen Chemiker auch für Produzenten von Geschmacksstoffen und Pharmazeutika interessant sein.
Während Vetiver (Vetiveria zizanioides) oberirdisch bis auf Brusthöhe wächst, können seine Wurzeln mehrere Meter lang werden. Ähnlich der Schale einer Orange, enthalten sie kleine Hohlräume, die mit einem wahren Cocktail aus Sesquiterpenen und anderen Kohlenwasserstoffen gefüllt sind. Diesen Verbindungen wird meist eine antimikrobielle Funktion zugeschrieben. Umso verblüffter waren Del Giudice und seine Kollegen, als ihre Mikroskopaufnahmen Bakterien in den Ölbehältern und deren Vorläuferzellen offenbarten.
Weitere Untersuchungen ergaben, dass diese Mikroben von den unterschiedlichsten Zweigen des Bakterienstammbaums stammen. Ihnen gemein ist aber, dass sie die pflanzlichen Sesquiterpene als Nährstoffe verwenden können. Erst als Nebenprodukt dieses Stoffwechsels fallen die begehrten ätherischen Öle an. Deren genaue Funktion für die Pflanze ist noch unklar.
Forschung: Luigi Del Giudice und Domenica Rita Massardo, Istituto di genetica e Biofisica “Adriano Buzzati Traverso”, CNR, Neapel; Massimo E. Maffei, Dipartimento di Biologia Vegetale und Centro di Eccelenza CEBIOVEM, Università di Torino, Turin; Pietro Alifano, Dipartimento di Scienze e Tecnologie Biologiche ed Ambientali, Università del Salento, Lecce; und andere
Veröffentlichung Environmental Microbiology, Vol. 10(10), pp 2824-41, DOI 10.1111/j.1462-2920.2008.01687.x
WWW:
CNR-Istituto di Genetica e Biofisica, Napoli
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