Muscheln optimieren musterhaft
30. Oktober 2008 20:00 Drucken
Miesmuscheln tun sich zwar gerne mit ihresgleichen zusammen, ihre Geselligkeit hat jedoch Grenzen. Wenn sich zu viele Individuen auf einem Fleck ballen, gehen die Tiere aktiv auf Distanz zueinander, haben europäische Forscher ermittelt. Das Resultat sind an Labyrinthe erinnernde Ansammlungen, in denen optimale Wachstumsbedingungen herrschen.
Miesmuscheln sind grundsätzlich gesellig, meiden jedoch allzu große Ansammlungen von “Mitessern”. Foto: Andreas Trepte, Marburg, www.natur-photo.de (Creative Commons Attribution SA2.5)
Miesmuscheln in solchen Strukturen, bestehend aus miteinander verbundenen Ballen, wachsen schneller als solche in gleichmäßig dichten Muschelbänken, berichten die Forscher um Johan van de Koppel vom Niederländischen Institut für Ökologie im Magazin “Science”. Zugleich sind sie besser gegen Gezeiten und Wellenschlag geschützt als Artgenossen in isolierten Grüppchen.
“Unsere Resultate zeigen, dass die räumliche Selbstorganisation ein bestimmender Faktor für die Struktur und Funktion von Ökosystemen ist, der bei Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden muss”, folgern die Forscher.
Van de Koppel und Kollegen war das Muschel-Muster im Watt vor der walisischen Küste aufgefallen. Eine statistische Analyse ihrer Fotos belegte, dass die Tiere alles andere als wahllos über den Untergrund verteilt waren. Um mehr über dieses Phänomen zu erfahren, filmten die Forscher das Geschehen in Laborbecken, in denen sie Miesmuscheln gleichmäßig verteilt hatten. Tatsächlich bildeten sich binnen eines Tages die gleichen Muster wie im Freiland, indem sich die Muscheln mit Geschwindigkeiten von einigen Zentimetern pro Stunde aufeinander zu oder voneinander weg bewegten.
Vor allem die Konkurrenz um Nahrung setzt der Geselligkeit der Muscheln Grenzen, fanden die Forscher. Fütterten sie größere Muschelballen mit einem gezielten Strom Planktonalgen, blieben die Tiere bereitwillig aneinander haften. Auch wuchsen Miesmuscheln in künstlich angelegten, unstrukturierten Muschelbänken im Freiland deutlich langsamer als solche in natürlichen Ansammlungen. Das die Geselligkeit auch Vorzüge mit sich bringt, enthüllte ein Experiment mit bunt angestrichenen Muscheln im Watt: Diese gingen besonders häufig verloren, wenn sie vereinzelt oder in isolierten Grüppchen ausgebracht worden waren.
Forschung: Johan van de Koppel, Ruimtelijke Ecologie, Nederlands Instituut voor Ecologie, Yerseke; Joanna C. Gascoigne, School of Ocean Sciences, University of Wales, Bangor, Anglesey; Guy Theraulaz, Centre de Recherches sur la Cognition Animale, CNRS UMR 5169, Université Paul Sabatier, Toulouse; und andere
Veröffentlichung Science, Vol. 322, 31. Oktober 2008, pp 739-42, DOI 10.1126/science.1163952
WWW:
Werkgroep Ruimtelijke Ecologie, Nederlands Instituut voor Ecologie
Marine Ecosystems Research Group, Bangor University
Miesmuschel
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