Handmixer als Blutzentrifuge
30. Oktober 2008 15:52 Drucken
Auch weitab der nächsten Steckdose lassen sich problemlos einfache Blutuntersuchungen anstellen. Möglich macht das eine unkonventionelle Technik, die amerikanische Chemiker ersonnen haben. Dabei fungiert ein kurbelbetriebener Handrührer als Zentrifuge zur Aufbereitung einer Blutprobe.
Foto: Donovan Govan (Gnu FDL)
Mit dem modifizierten Küchengerät braucht es weniger als 10 Minuten entspannten Kurbelns, um die roten und weißen Blutkörperchen vom flüssigen Blutplasma abzutrennen, berichten die Forscher um George Whitesides von der Harvard University im Fachblatt “Lab on a Chip”. Ein möglichst zellfreies Plasma sei die Vorraussetzung für zahlreiche Untersuchungen auf Infekte oder Stoffwechselstörungen.
Whitesides und seine Gruppe arbeiten schon seit längerem an der Entwicklung eines Instrumentariums für biochemische Tests, das auch in abgelegenen Regionen in Entwicklungsländern arbeitet. Unabhängig von elektrischem Strom und ebenso robust wie preiswert, erfüllt ihre jüngste Erfindung die nötigen Voraussetzungen für eine Diagnosestellung vor Ort – oft Tage oder Wochen vom nächsten Krankenhaus entfernt.
Die Anwendung der Technik ist denkbar einfach, berichten die Forscher. Zunächst wird ein Bluttropfen von der Fingerkuppe in ein dünnes Kunststoffröhrchen gesaugt, dessen Enden danach über einer Kerzenflamme zugeschweißt werden. Nun wird das Röhrchen mit Klebeband an einem Rührstab eines Handmixers befestigt. Der zweite Stab wurde zuvor mit einer Zange abgekniffen.
Schon bei mäßigem kraftvollem Kurbeln wird das Röhrchen derart im Kreis herumgeschleudert, das sein Inhalt eine Zentrifugalbeschleunigung vom 280-Fachen der Erdbeschleunigung erfährt. Das genügt, um die Blutzellen wie Steine im Wasser zum freien, äußeren Ende des Röhrchens sinken zu lassen. Am anderen Ende bleibt klares Blutplasma zurück, an dem Untersuchungen mit Farbindikatoren durchgeführt werden können.
Forschung: Amy P. Wong, Malancha Gupta, Sergey S. Shevkoplyas und George M. Whitesides, Department of Chemistry and Chemical Biology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts
Veröffentlichung Lab on a Chip, DOI 10.1039/b809830c
WWW:
Whitesides Research Group, Harvard University
- Science for Developing Economies
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