Posted in: Biologie, Paläontologie 29. Oktober 2008 01:01 Weiter lesen →

Gesellige Katzen im Asphalt

Smilodon Bis zum Ende der letzten Eiszeit streiften kräftige Säbelzahnkatzen durch Nordamerika. Ungeachtet ihres furchteinflößenden Äußeren dürften die Raubtiere durchaus Familiensinn besessen haben, glaubt ein englischer Zoologe. Durch natürliche Asphaltgruben im späteren Los Angeles wurden die Katzen in ähnlichem Maße angelockt wie moderne Tüpfelhyänen durch Laute in Aufruhr versetzter Pflanzenfresser.

Bild: via Wikipedia

Beides seien Situationen von einiger Brisanz, betonen Chris Carbone von der Zoological Society of London und seine Kollegen. Die Aussicht auf leichte Beute locke eine Vielzahl von Raubtieren an, sodass potenziell gefährliche Begegnungen vorprogrammiert seien. „Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass einzelgängerische Säbelzahnkatzen bei solchen Gelegenheiten häufig aufgetaucht wären“, schreiben die Forscher im Fachblatt „Biology Letters“. Das gelte ganz besonders für Jungtiere, deren Knochen in den Asphaltgruben aber relativ häufig seien.

Die Säbelzahnkatze Smilodon fatalis lebte bis vor etwa 10.000 Jahren in Nordamerika. Hinweise auf eine gesellige Lebensweise des kompakt gebauten Räubers stammen aus Kalifornien, wo Gruben voll klebrigen Naturasphalts unzählige eiszeitliche Skelette preisgegeben haben – darunter auch zehntausende Smilodon-Knochen. Einige davon weisen verheilte Verletzungen auf, die auf sich allein gestellte Tiere vielleicht nicht überstanden hätten. Diese Hypothese ist allerdings nicht unumstritten.

Carbone und Kollegen betrachteten die Frage nun aus einer ökologischen Perspektive. Die Forscher verglichen die kalifornischen Daten mit den Resultaten nächtlicher Experimente in der afrikanischen Savanne. Dabei waren über Lautsprecher die Rufe von Pflanzenfressern in Notlagen abgespielt und die angelockten Raubtiere gezählt worden. Große Räuber sollten häufiger als kleine auf der Bildfläche erscheinen und sozial lebende häufiger als einzelgängerische, so die Überlegung der Forscher.

Tatsächlich sind die Statistiken nahezu deckungsgleich, wenn man der Säbelzahnkatze Familiensinn zuschreibt, berichten Carbone und Kollegen. Heute wie gegen Ende der Eiszeit, wären demnach gut 85 Prozent der angelockten Räuber groß und sozial – neben der Säbelzahnkatze vor allem der wolfsartige Canis dirus und neben der Tüpfelhyäne vor allem der Afrikanische Wildhund. Die übrigen 15 Prozent entfielen hauptsächlich auf kleinere, aber ebenfalls sozial lebende Räuber wie Kojoten und Schakale, so die Forscher.

Forschung: Chris Carbone und Tom Maddox, Zoological Society of London, London; Blaire Van Valkenburgh, Department of Ecology and Evolutionary Biology, University of California, Los Angeles; und andere

Veröffentlichung Biology Letters, 29. Oktober 2008, DOI 10.1098/rsbl.2008.0526

WWW:
Institute of Zoology, Zoological Society of London
La Brea Tar Pits
What Is a Sabertooth?

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