Wann Tennisspieler meckern sollten

27. Oktober 2008 19:34 Drucken

Ein Tennisball liegt am Rand einer weißen Linie Tennisspieler tun gut daran, Entscheidungen der Linienrichter anzufechten. Das gilt zumindest dann, wenn ein knapper Ball als Aus gewertet worden ist, haben amerikanische Psychologen am Beispiel Tausender Wimbledon-Ballwechsel ermittelt. Der Grund liegt im Bestreben des menschlichen Sehsystems, die eigene Trägheit zu kompensieren.

Foto: Stephen Morris /iStockphoto

Die Wahrnehmung hinke der Realität typischerweise eine Zehntel Sekunde hinterher, erklärt David Whitney von der University of California in Davis. Um diesen Effekt auszugleichen, verlagere das Sehsystem schnelle Objekte entlang ihrer Bewegungsrichtung. Daher werde ein Tennisball, wie er mit weit über 100 km/h in der gegnerischen Hälfte aufsetzen kann, seiner tatsächlichen Position etwas voraus gesehen.

Gemäß der Tennisregeln, dürfen die Spieler knappe Entscheidungen reklamieren und dies im Erfolgsfall wiederholt tun. Inspiriert durch die Beobachtung einer solchen Begebenheit, nahmen Whitney und Kollegen 4.457 Ballwechsel unter die Lupe, die während des Tennisturniers von Wimbledon im Jahr 2007 geschlagen worden waren.

Es zeigte sich, dass die Linienrichter in 73 Fällen einen Ball, der noch die Linie berührt hatte, als im Aus gesehen hatten. Dagegen war in lediglich 10 Fällen ein Ball, der keinen Linienkontakt mehr hatte, noch als im Spielfeld gesehen worden, berichten die Forscher im Fachblatt “Current Biology”. Ein Bildschirmexperiment im Labor ergab ein ähnliches Ungleichgewicht und zeigte, dass es die Folge einer verzerrten Wahrnehmung ist.

Aus diesen Resultaten lasse sich eine optimale Strategie für Reklamationen seitens der Spieler ableiten, so die Psychologen. Gleichzeitig sollte erwogen werden, zumindest bei Profiturnieren stets mit einer Zeitlupe oder einem anderen Überwachungssystem zu arbeiten. “Im Zweifelsfall sollte man vielleicht dem französischen Vorbild folgen und nur noch auf Sandplätzen spielen”, schreiben die Forscher. Auf solchen Plätzen spreche im Zweifelsfall der Ballabdruck eine deutliche Sprache.

Forschung: David Whitney, Nicole Wurnitsch, Byron Hontiveros und Elizabeth Louie, Department of Psychology und Center for Mind and Brain, University of California, Davis

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 18(20), R947-9

WWW:
Vision and Action Lab, David Whitney
79 Optical Illusions and Visual Phenomena
International Tennis Federation
Wimbledon Championships
Hawk-Eye Officiating System – Tennis

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