Unbewusstes Arbeits-ABC
24. Oktober 2008 12:50 Drucken
Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenfinden, spielen möglicherweise auch ihre Initialen eine Rolle. Am Beispiel von 582.000 Berufstätigen haben belgische Psychologen ermittelt, dass die Nachnamen und die Firmennamen deutlich häufiger mit dem gleichen Buchstaben beginnen als bei zufälliger Verteilung zu erwarten.
Foto: Sandra Zuerlein /Fotolia
Bei 31.952 erwarteten Übereinstimmungen lag die Zahl der beobachteten Übereinstimmungen um 4.290 höher, berichten Frederik Anseel und Wouter Duyck von der Universität Gent im Fachblatt “Psychological Science”. Daraus schließen sie, dass “bei einer von neun Personen, deren Initialen mit denen der jeweiligen Firma übereinstimmen, die Wahl des Arbeitgebers durch eben diese Tatsache beeinflusst wurde”.
Die Existenz eines solchen Initialeneffekts, im Englischen “Name Letter Effect”, war vor über 20 Jahren erstmals postuliert worden. Demnach sollen Menschen bei all ihren Entscheidungen und Handlungen unbewusst Übereinstimmungen mit den eigenen Anfangsbuchstaben anstreben. Auf diese Weise sollen neben der Wahl des Wohnorts beispielsweise auch die Schulnoten verzerrt werden.
Laut Anseel und Duyck liefert ihre Studie neue Belege für das Wirken dieses Effekts und umgeht dabei Schwächen früherer Studien, die nicht das gesamte Alphabet umfasst hatten. Für ihre Arbeit analysierten die Psychologen Daten des belgischen Ministeriums für Soziale Sicherheit. Zunächst ermittelten sie die Häufigkeit der verschiedenen Anfangsbuchstaben bei Arbeitnehmern und Unternehmen und verglichen dann die erwartete und die beobachtete Häufigkeit der Übereinstimmungen. Besonders ausgeprägt ist der Effekt demnach bei eher seltenen Initialen.
Forschung: Frederik Anseel und Wouter Duyck, Personeelsbeleid-, arbeids- en organisatiepsychologie und Experimentele psychologie, Universiteit Gent
Veröffentlichung Psychological Science, Vol. 19(10), pp 1059-60
WWW:
Frederik Anseel, Universität Gent
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