Gesichtserkennung: Immer der Nase nach

21. Oktober 2008 13:03 Drucken

Nase Menschen sind Meister der Gesichtserkennung, belegen Experimente zweier kalifornischer Forscher. Ihre Versuchsteilnehmer brauchten ihren Blick lediglich auf zwei Punkte am Nasenrücken zu richten, um mit großer Verlässlichkeit bekannte von fremden Gesichtern zu unterscheiden.

Foto: Vadim Andrushchenko /Fotolia

Konnten die Teilnehmer die Gesichter eingehender mustern, stieg die Unterscheidungsfähigkeit nicht weiter an, berichten Janet Hui-wen Hsiao und Garrison Cottrell von der University of California, San Diego, im Fachblatt “Psychological Science. Frühere Studien hätten dagegen vermuten lassen, dass drei bis vier Fixationspunkte nötig seien und dass nicht etwa der Nase, sondern der Augenpartie zentrale Bedeutung zukomme.

Hsiao und Cottrell führten ihre Versuche mit 16 Studierenden durch. Diese sahen auf einem Bildschirm Portraitfotos vertrauter und fremder Gesichter und mussten möglichst schnell einen entsprechenden Knopf drücken. Währenddessen überwachte ein Computersystem die Augenbewegungen der Teilnehmer. Sobald deren forschender Blick auf einer bestimmten Zahl von Stellen geruht hatte, blendete es das Foto aus.

Nach dem Erscheinen des Testfotos wanderten die Blicke der Teilnehmer meist zu einer Stelle im mittleren Drittel des Nasenrückens, etwas links der Mittellinie. Schon dieser eine Fixationspunkt genügte, um bei der Unterscheidung zwischen fremden und vertrauten Gesichtern mehr als nur Zufallstreffer zu erzielen. Und schon mit dem zweiten Fixationspunkt, ebenfalls am Nasenrücken gelegen und nach etwa 0,6 Sekunden erfasst, erreichte die Trefferquote einen Wert, der auch mit beliebig vielen Fixationspunkten nicht übertroffen wurde.

Zwar ist die Augenpartie von großer Bedeutung, wenn es darum geht, die Stimmung und die Motivation des Gegenübers einzuschätzen. Da man nur einen kleinen Bereich in der Mitte des Blickfeldes wirklich scharf sehe, scheine sich der Blick bei der Gesichtserkennung jedoch auf die Nase im “Zentrum der Information” zu konzentrieren, vermuten Hsiao und Cottrell.

Forschung: Janet Hui-wen Hsiao und Garrison Cottrell, Temporal Dynamics of Learning Center und Department of Computer Science and Engineering, University of California, San Diego

Veröffentlichung Psychological Science, Oktober 2008

WWW:
Temporal Dynamics of Learning Center, UC San Diego
GURU
Eye Tracking
Physiologische Grundlagen des Lesens

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Doppelt-Sehen beim Lesen


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