Interferon lockt Killerzellen zum Krebs
17. Oktober 2008 01:00 Drucken
Natürliche Killerzellen stehen an vorderster Front, wenn der Körper gegen entartete Zellen vorgeht. Wie sie sich an Ort und Stelle rufen lassen, haben Heidelberger Forscherinnen entdeckt. Bei ihren Versuchen an Mäusen fanden sie, dass der Immunbotenstoff Gamma-Interferon die Abwehrzellen ins Krebsgewebe lockt.
Dieser Effekt sei vor allem deshalb interessant, weil er sich auch von außen beeinflussen lasse, erklärt Adelheid Cerwenka vom Deutschen Krebsforschungszentrum. “Denn so können wir möglicherweise Tumortherapien unterstützen, indem wir dem Krebs gezielt die Natürlichen Killerzellen auf den Hals hetzen.”
Natürliche Killerzellen sind ein Teil des angeborenen Immunsystems. Sie schlagen typischerweise dann zu, wenn eine infizierte oder entartete Zelle keine MHC-I-Moleküle mehr produziert, die sie als körpereigen ausweisen. Nicht von ungefähr gelten sie als wichtige Waffe des Körpers gegen Krebs: Je mehr von ihnen sich in einem Tumor finden, desto besser ist die Prognose für den Patienten.
Cerwenka und Kolleginnen gingen der Frage nach, welche Faktoren die Natürlichen Killerzellen in einen Tumor locken. Dazu spritzten sie Mäusen Lymph- oder Hautkrebszellen unter die Haut und verfolgten die Entwicklung. Normalerweise überlebten die Tiere 25 Tage. Nach Ausschalten des Rezeptors für Gamma-Interferon enthielten die Tumoren weniger Natürliche Killerzellen und die Überlebenszeit war deutlich kürzer, berichten die Forscherinnen im Fachblatt “Cancer Research”.
Diese Wirkung scheint indirekt zustande zu kommen. Offenbar regt das Gamma-Interferon, indem es an seinen Rezeptor bindet, im Tumor die Bildung eines weiteres Signalmoleküls mit der Bezeichnung CXCL10 an. Erst dieses scheint dann Natürliche Killerzellen mit dem passenden Rezeptor zur Einwanderung in den Tumor zu veranlassen. Spritzen die Forscherinnen Gamma-Interferon bzw. CXCL10 direkt in die Geschwulst, wurden die Zellen gleichfalls angelockt. “Das macht das Ergebnis so spannend”, freut sich Cerwenka.
Forschung: Marco Wendel, Ioanna E. Galani, Elisabeth Suri-Payer und Adelheid Cerwenka, Abteilungen Angeborene Immunität und Immungenetik, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg
Veröffentlichung Cancer Research, Vol. 68, pp 8437-45, DOI 10.1158/0008-5472.CAN-08-1440
WWW:
Deutsches Krebsforschungszentrum
- Interferone: Signalstoffe des Immunsystems als Krebsmittel
Wie Killerzellen zwischen körpereigen und körperfremd unterscheiden




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