Bananen haben eine blaue Seite

17. Oktober 2008 19:21 Drucken

Foto zeigt nebeneinander aufgereihte Bananen, unterschiedlich intensiv blau leuchtend Das leuchtende Gelb reifer Bananen kommt durch einen optischen Trick zustande, haben Chemiker aus Innsbruck und New York entdeckt. In den Früchten wirken Abbauprodukte des Blattgrüns Chlorophyll als optische Aufheller, die kurzwelliges UV-Licht in sichtbares Licht umwandeln. Unter Schwarzlicht zeigen Bananen daher ein intensives blaues Leuchten, berichten die Forscher im Fachblatt “Angewandte Chemie”.

Das bläuliche Glimmen könnte Bananen zu einem echten Hingucker für fruchtfressende Tiere machen. Bild: Moser et al., Angewandte Chemie

“Überraschenderweise wurde die von uns festgestellte, blaue Fluoreszenz der Bananen bisher anscheinend gänzlich übersehen”, schreibt die Gruppe um Bernhard Kräutner von der Universität Innsbruck. “Die meisten Menschen würden die Vorstellung einer blauen Banane sogar als appetithemmend empfinden.”

Das vertraute Gelb von Bananen beruht auf Karotinoiden und kommt zum Vorschein, wenn das Chlorophyll bei der Fruchtreifung abgebaut wird. Während dieser Abbauprozess bei allen bisher untersuchten Pflanzen sehr rasch verläuft, gerät er bei Bananen an einer Stelle ins Stocken, fanden die Forscher. Als Folge reichern sich fluoreszierende Zwischenprodukte in der Fruchtschale und auch in vergilbenden Laubblättern an. Das Fluoreszenzmaximum liegt bei einer Wellenlänge von 450 Nanometern und damit im tiefblauen Bereich des Lichtspektrums.

Kräutner und Kollegen gingen dem Phänomen auf den Grund, indem sie Extrakte der Bananenschale in ihre Bestandteile auftrennten und die Struktur der fluoreszierenden Inhaltsstoffe per Kernresonanzspektroskopie ermittelten. Es zeigte sich, dass die Chlorophyll-Abbauprodukte bei der Banane, anders als üblich, mit einem ringförmigen Säuremolekül verestert sind. Diese leichte Modifikation stabilisiert die Moleküle, ergaben weitere Experimente.

Ob die Reifung natürlicherweise erfolgt oder durch Begasung mit Ethen ausgelöst wurde, spielt für die Fluoreszenz keine Rolle, berichten die Forscher. Ihrer Ansicht nach sind verschiedene biologische Funktionen für die fluoreszierenden Abbauprodukte denkbar. Ihr bläuliches Glimmen könnte reife Bananen für fruchtfressende Tiere, die auch im kurzwelligen Bereich des Spektrums sehen, besonders attraktiv erscheinen lassen. Unabhängig von ihrer Fluoreszenz, könnten die stabilen Moleküle aber auch die Lebensdauer der Früchte erhöhen.

Forschung: Simone Moser, Thomas Müller, Marc-Oliver Ebert und Bernhard Kräutler, Institut für Organische Chemie und Zentrum für Molekulare Biowissenschaften, Universität Innsbruck; Steffen Jockusch und Nicholas J. Turro, Department of Chemistry, Columbia University, New York

Veröffentlichung Angewandte Chemie, Vol. 120(46), DOI 10.1002/ange.200803189

WWW:
Kräutler Research Group, Uni Innsbruck
Fluoreszenz
Banana
The Cavendish Banana

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