Dinosaurier riefen durch die Nase

16. Oktober 2008 15:15 Drucken

Illustration zeigt einen Dinosaurier mit Schädelkamm auf dem kleinen Kopf, spindelförmigem, nach vorne gelehnten Körper mit spitz zulaufendem Schwanz, nur auf den Hnterbeinen stehend, an einem Fluss, blauer Himmel Bei einigen Dinosauriern verliefen die Nasenhöhlen in weit geschwungenen Knochenkämmen. Die Ähnlichkeit mit Blasinstrumenten kommt nicht von ungefähr, sind kanadische und amerikanische Paläontologen überzeugt. Gemessen an dem gut entwickelten Innenohr der Lambeosaurier, dürfte es sich um Klangkörper für die Erzeugung tiefer, langgezogener Rufe gehandelt haben.

Grafik: Courtesy of Michael Skrepnick

David Evans vom Royal Ontario Museum und der Universität Toronto stützen ihre Ansicht auf die computertomographische Vermessung von Lambeosaurier-Schädeln. Besonders interessierten sie sich für den Platz, den das Innenohr und verschiedene Gehirnbereiche beanspruchten. “Die Form des Gehirns kann viel darüber verraten, welche Sinne im Alltag eines Dinosauriers eine wichtige Rolle spielten”, so Evans.

Die Theorien zur Funktion der Schädelkämme waren ebenso vielfältig wie die knöchernen Strukturen selbst. Einige Forscher vermuteten darin eine Art Riechhilfe, andere einen großen Wärmeaustauscher und wieder andere gar eine Art Schnorchel. Unstrittig war allein, dass die Kämme wohl auch als optisches Signal dienten.

Kleine Zeichnungen dreier Lambeosaurier mit unterschiedlich stark geschwungenen Kämmen, daneben eine CT-Rekonstruktion, farbig eingeblendet Nasenhöhlen, Innenohr und Hirn

Courtesy of Michael Skrepnick / Courtesy of Witmer & Ridgely, Ohio University

Bereits früher hatten Evans und Kollegen ermittelt, dass die Größe des Riechzentrums im Lambeosaurier-Hirn unabhängig von Gestalt und Größe der Schädelkämme und der darin verlaufenden Nasenhöhlen war. Wie die Forscher nun auf einer Fachtagung in Cleveland berichten, besaßen die Pflanzenfresser dagegen gut ausgebildete Innenohren. Diese dürften eben jene tiefen Frequenzen registriert haben, die in den Schädelkämmen durch Resonanz besonders gut verstärkt werden.

“Überrascht hat uns, wie groß jene Hirnzentren waren, die mit höheren kognitiven Funktionen in Verbindung gebracht werden”, ergänzt Evans’ Kollege Lawrence Witmer von der Ohio University. Zwar habe man bereits vermutet, dass Lambeosaurier Laute und optische Signale eingesetzt hätten. “Aber erst jetzt zeigt sich, dass sie über die nötige Gehirnleistung und auch über das nötige Gehör für solche Verhaltensweisen verfügten.”

Forschung: David Evans, Department of Natural History, Royal Ontario Museum, und Ecology & Evolutionary Biology, University of Toronto, Toronto; Jack Horner, Museum of the Rockies und Department of Earth Science, Montana State University, Bozeman; Lawrence Witmer und Ryna Ridgely, College of Osteopathic Medicine, Ohio University, Cleveland

Präsentation auf dem Annual Meeting of the Society for Vertebrate Paleontology, Cleveland

WWW:
David Evans, Royal Ontario Museum
Jack Horner, Museum of the Rockies
College of Osteopathic Medicine, Ohio University
The “Duck-billed” Dinosaurs

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