Expedition ins Herz des Eises
Mittwoch, 15. Oktober 2008, 13:02 • Rubrik Geologie.
Ein “Pol der Unzugänglichkeit” ist das Ziel einer großangelegten Antarktis-Expedition, zu der deutsche Forscher demnächst gemeinsam mit Kollegen aus fünf weiteren Ländern aufbrechen. Bei Temperaturen, die auch im Sommer auf minus 40 Grad Celsius fallen können, wollen sie mehr über ein großes Gebirge herausfinden, das unter kilometerdickem Eis liegt und seit gut 50 Jahren der Erkundung trotzt.
Die Gamburtsev Mountains liegen unter kilometerdickem Eis. Foto: BGR
Aus der Erforschung der Gamburtsev Mountains erhoffe man sich Einsichten in den geologischen Aufbau und die erdgeschichtliche Entwicklung des südlichsten Kontinents, erläutert Detlef Damaske von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Das Gebirge sei aber auch deshalb so interessant, weil hier möglicherweise die Vereisung des Kontinents vor 30 Millionen Jahren ihren Anfang genommen habe. “Wir suchen bei diesem Projekt auch das älteste Eis der Antarktis”, so Damaske.
Mitte November wollen die Wissenschaftler zu ihrer mehr als zwei Monate währenden Forschungsreise aufbrechen. Weil das Zielgebiet in der Ostantarktis nicht von ungefähr zu den unwirtlichsten Gegenden der Erde gilt, waren umfangreiche Vorbereitungen und die Einrichtung zweier Arbeitscamps nötig. Neben den extrem tiefen Temperaturen ist es auch der großen Entfernung zu den küstennahen Forschungsstationen geschuldet, dass die Gamburtsev Mountains seit ihrer Entdeckung durch sowjetische Forscher im Jahr 1957 kaum untersucht worden sind.
“Im Grunde weiß man nicht mehr, als dass es sich um ein mehr als 300.000 Quadratkilometer umfassendes Gebirge in der Mitte der Ostantarktis handelt”, so Damaske weiter. Ob unter dem Eis ein einfaches Hochland oder ein Gebirge alpinen Charakters liege, sei ebenso unklar wie die Art der vorherrschenden Gesteine und die Verbindungen zu subglazialen Seen und weiteren Strukturen unter dem Eis.
Um diese Wissenslücken zu schließen, wollen die Forscher an der Eisoberfläche und vom Flugzeug eine Reihe von Vermessungen durchführen und schließlich auch durch den Eispanzer bohren, um Gesteinsproben zu gewinnen. “Die Auswertung und Interpretation des Materials wird sicherlich ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen”, erklärt Damaske.
Forschung: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover; Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; British Antarctic Survey, Cambridge; und andere
WWW:
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
- AGAP und GIGAGAP
International Polar Year 2007-2008
Antarktis
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