Posted in: Biologie, Genetik 15. Oktober 2008 01:01 Weiter lesen →

Betrügerische Schwestern

Foto zeigt drei kleine Ameisen auf grauem Fels Mit fauler Brut muss eine asiatische Ameisenart ihre lockeren Fortpflanzungssitten bezahlen. Japanische Biologen haben ermittelt, dass sich einige Arbeiterinnen kaum mehr an der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben beteiligen. Stattdessen haben sie sich auf die Produktion von gleichfalls parasitären Nachkommen verlegt.

Foto: Wikimedia.org (GnuFDL)

Diese Schmarotzer sind nicht nur äußerlich an ihrer kräftigeren Statur und zusätzlichen Punktaugen erkennbar, berichten Shigeto Dobata von der Universität Tokyo und seine Kollegen in den „Proceedings of the Royal Society B“. Sie bilden auch genetisch gut unterscheidbare Linien, deren Abkömmlinge möglicherweise sogar fremde Nester infizieren können.

Die Forscher studierten die kleine Ameise Pristomyrmex punctatus. Bereits vor 25 Jahren war aufgefallen, dass die Fortpflanzung bei dieser Art nicht allein von einer Königin erledigt wird. Stattdessen können alle Arbeiterinnen Eier legen – auch ohne Befruchtung. Von dieser Möglichkeit machen sie reichlich Gebrauch, sodass unklar ist, ob die gelegentlich beobachteten Männchen überhaupt noch eine Funktion erfüllen.

Häufiger als die Männchen sind auffällig große Arbeiterinnen. Diese legen zeitlebens Eier, ohne sich an der Ernährung, Pflege und Verteidigung des Nests zu beteiligen. Dobata und Kollegen führten nun genetische Analysen an mehreren Hundert Tieren aus verschiedenen Kolonien durch, um mehr über diese Sonderlinge zu erfahren. Anhand einer Handvoll genetischer Marker lassen sich die Arbeiterinnen demnach 30 Verwandtschaftslinien zuordnen, von denen 9 ausschließlich bei den großen Faulpelzen vorkommen.

Bemerkenswerterweise findet sich eine dieser Schmarotzer-Linien in mehreren Nestern, die ansonsten keinen Genotyp gemein haben, berichten die Forscher. Daher sei es denkbar, dass die parasitären Arbeiterinnen in fremde Nester eindringen und diese unterwandern könnten. In dieser Hinsicht sei die Situation vergleichbar mit dem Befall von Honigbienenstöcken durch die parasitäre Kapbiene, so Dobata und Kollegen. Bei den Ameisen schiene sich allerdings ein stabiles Gleichgewicht eingestellt zu haben, während es bei den Bienen stets zum Kollaps des befallenen Volkes komme.

Forschung: Shigeto Dobata und Masakazu Shimada, Department of General Systems Studies, Graduate School of Arts and Sciences, University of Tokyo, Tokyo; Tomonori Saki und Kazuki Tsuji, Department of Environmental Sciences and Technology, University of the Ryukyus, Okinawa; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2008.1215

WWW:
Shimada Lab, University of Tokyo
Pristomyrmex punctatus
Parthenogenese
Battle of the Bees

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