Ungeahnte Wurm-Vielfalt
Freitag, 10. Oktober 2008, 11:34 • Rubrik Biologie, Genetik, Klima, Umwelt.
Verblüffenden Artenreichtum auf vermeintlich vertrautem Terrain haben britische Forscher entdeckt. Ihre genetischen Analysen zeigen, dass mehrere Regenwurm-Arten tatsächlich aus verschiedenen, äußerlich nicht unterscheidbaren Spezies bestehen.
Foto: Soebe (wikimedia/GnuFDL)
“All diese verschiedenen Arten leben in der gleichen Umwelt und sehen völlig gleich aus, und doch paaren sie sich nicht untereinander”, erklärt Bill Symondson von der Universität Cardiff. Angesichts der wichtigen Rolle, die Regenwürmern im Boden zukomme, sei diese Entdeckung durchaus von praktischer Bedeutung. So sei es denkbar, dass die kryptischen Arten unterschiedlich anfällig für Pestizide, Schwermetalle, Witterung und andere Einflüsse seien – etwa dadurch, dass sie leicht unterschiedliche Bodentiefen bevorzugten.
Symondson und Kollegen machten ihre Entdeckung eher zufällig, als sie Regenwurm-DNA aus dem Gedärm wurmfressender Laufkäfer und Nacktschnecken studierten. Ihre Analysen offenbarten eine unerwartet große genetische Vielfalt, sodass die Forscher weitere Untersuchungen anstellten. Von 9 genauer betrachteten Arten bestehen demnach 4 tatsächlich aus mehreren kryptischen Spezies, berichten die Forscher im Fachblatt “Molecular Ecology”.
Video: BBSRC
Allein die “Art” Allolobophora chlorotica spaltet sich in 5 Linien auf, zwischen denen erhebliche genetische Unterschiede bestehen. “Diese sind weiter voneinander entfernt als beispielsweise der Mensch von Orang-Utans und Gibbons”, so Symondson. Wenn man untersuche, wie sich verschiedene Methoden der Bodenbearbeitung oder Schädlingsbekämpfung auf die Bodenfauna auswirkten, müsse man jedoch genau wissen, mit welcher Art man es gerade zu tun habe.
Forschung: R. Andrew Kind, Amy L. Tibble und William O.C. Symondson, School of Biosciences, Cardiff University, Cardiff
Veröffentlichung Molecular Ecology, DOI 10.1111/j.1365-294X.2008.03931.x
WWW:
Biodiversity Research Group, Cardiff University
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