Säuglinge verstehen Beethoven

10. Oktober 2008 14:31 Drucken

Baby mit Kopfhörern Schon vor Vollendung des ersten Lebensjahres besitzen Säuglinge einigen musikalischen Sachverstand, haben amerikanische Psychologen ermittelt. Ihre kleinen Probanden waren bereits im Alter von 9 Monaten in der Lage, Kompositionen mit eher fröhlicher oder eher trauriger Grundstimmung zu unterscheiden.

Foto: Yuriy Nedopekin /iStockphoto

Nach Ansicht von Ross Flom von der Brigham Young University belegt dieses Resultat, dass Babys vieles von dem begreifen, was um sie herum geschieht, noch bevor sie zu sprechen beginnen. “Emotionen gehören zu den ersten Dingen, die Babys in Bezug auf Kommunikation verstehen. Daher erkennen sie die Botschaft in der Melodie.”

Flom und zwei Kollegen führten ihre Experimente mit Säuglingen im Alter von 3-9 Monaten durch. Die Kinder sahen zunächst ein neutrales Gesicht und hörten Musik, die von Personen aller Altersstufen übereinstimmend als fröhlich oder aber als traurig eingestuft worden war. Wandten die Kinder schließlich den Blick von dem Gesicht ab, wechselten die Forscher die Musik und beobachteten, wie lange die Babys nun erneut auf das Gesicht schauten.

Die Überlegung: Falls die Kinder eine veränderte Stimmung wahrnahmen, sollten sie das Gesicht besonders ausgiebig mustern. Tatsächlich blickten die ältesten Kinder bis zu 4 Sekunden länger in das Gesicht, wenn die Grundstimmung der Musik wechselte, berichten die Forscher im Fachblatt “Infant Behavior and Development”. Bei 3 Monate alten Kindern war kein solcher Effekt zu beobachten, während 5-7 Monate alte Kinder zumindest dann einen Stimmungswechsel zu registrieren schienen, wenn sie zuvor ausgiebig traurige Musik gehört hatten.

Musik, die als fröhlich wahrgenommen wird, ist typischerweise in einer Dur-Tonart geschrieben, hat einen relativ flotten Rhythmus und enthält eher kurze, aufsteigende Motive. Umgekehrt ist traurige Musik in Moll-Tonarten komponiert und langsam und getragen. Offenbar schrieben Menschen diesen Merkmalen schon sehr früh eine emotionale Wertigkeit zu, folgert Flom.

Forschung: Ross Flom, Department of Psychology, Brigham Young University, Provo, Utah; Douglas A. Gentile, Department of Psychology, Iowa State University, Ames; Anne D. Pick, Institute of Child Development, University of Minnesota, Minneapolis

Veröffentlichung Infant Behavior and Development, DOI 10.1016/j.infbeh.2008.04.004

WWW:
Psychology, Brigham Young University
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